Lambach steht zu NS-Ehrenbürgerin

7. Juli 2005, 20:43
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Mehrheit im Gemeinderat gegen Straßenumbenennung – Bürgermeister schweigt

Lambach – Eigentlich hatten Insider fix damit gerechnet, dass der Lambacher Gemeinderat in seiner jüngst abgehaltenen Sitzung der Ehrenbürgerin mit NS-Vergangenheit, Margarete Pausinger (1880 bis 1956), – der Standard berichtete – eine klare Absage erteilen würde. Zur Debatte standen eine sofortige Aberkennung der Ehrenbürgerschaft und eine Umbenennung der „Margarte-von-Pausinger- Straße“.

Doch das Abstimmungsergebnis fiel eindeutig für eine Beibehaltung der zweifelhaften Kommunal-Ehren aus. Und das vor dem Hintergrund eines im vergangenen Monat vom oberösterreichischen Landesarchiv erstellten Gutachtens zum Fall Pausinger. Der Leiter des Landesarchivs, Gerhart Marckhgott, führte in der dem Standard vorliegenden Expertise an, dass es „sicher ist, dass Frau Pausinger eine überzeugte NS-Anhängerin und NSDAPMitglied von 1937 bis 1945 war“.

Regimekritiker denunziert

Eindeutig belegt wird in dem Gutachten auch die Tatsache, dass die Lambacher Ehrenbürgerin laut einem Gendarmerie- Protokoll am 29. Dezember 1939 den Regimekritiker Friedrich Wingen denunziert hat. Wingen wurde daraufhin zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. 1943 erfolgte dann eine neuerliche Verhaftung, Friedrich Wingen wird in das Konzentrationslager Lublin in Polen eingeliefert. 1944 starb der Regimegegner an von SS-Ärzten injizierten Typhusbakterien.

Ob der zweiten Verhaftung ebenfalls eine Denunzierung durch Frau Pausinger zugrunde liege, sei heute nicht mehr hundertprozentig nachzuvollziehen, erörtert Marckhgott.

„Eine Schande“

Bei der Welser Initiative gegen Faschismus (Antifa) stößt der Gemeinderatsbeschluss auf völliges Unverständnis. „Es ist eine Schande und bedeutet, dass die große Mehrheit der Lambacher Mandatare auf der öffentlichen Ehrung einer fanatischen NS-Denunziantin beharrt“, kritisiert Antifa-Vorsitzender Robert Eiter.

Der Bürgermeister von Lambach, Friedrich Ilk (ÖVP), hält sich auf Anfrage bedeckt: „Von mir gibt es dazu keinen Kommentar. Als Demokrat akzeptiere ich den Entschluss des Gemeinderats.“ (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 06.07.2005)

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