Die neue Mission des Schatzkanzlers

7. Juli 2005, 09:43
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Gordon Brown hat sein Herz für Afrika entdeckt und führt die Regie beim G-8-Gipfel

Auf den Gruppenfotos der G-8 vor dem Golfhotel Gleneagles dürfte er fehlen. Doch man lasse sich von der Optik nicht täuschen. In Wahrheit ist es Gordon Brown, weniger dessen Premier Tony Blair, der als Drahtzieher die Agenda der illustren Runde bestimmt. Mit Hingabe spielt er neuerdings seine Lieblingsrolle, den leidenschaftlich mahnenden "Mister Africa".

Vor ein paar Tagen hielt Brown eine lange Rede, aber statt seine Zuhörer mit Zahlen zu langweilen, zitierte er Okot P'Bitek, einen Dichter aus Uganda. "Ich habe nur eine Bitte, ich will kein Geld, obwohl ich es brauche, ich will kein Fleisch, ich verlange nur, dass ihr den Schlagbaum aus meinem Weg räumt." Nieder mit den Handelsschranken, weg mit den Agrarsubventionen des Westens, wollte Brown auf lyrische Weise sagen.

Seit Jänner, seit Beginn der britischen G-8-Präsidentschaft, erleben die Briten ihren Schatzmeister wie verwandelt. Nach Neujahr reiste er quer durch den schwarzen Kontinent, von Nairobi bis Kapstadt, besuchte Gemüsemärkte und pfiffige Unternehmer, Aids-Kliniken und Slums. In Daressalam, der Hauptstadt Tansanias, klagte er bitter über die "mahlende, elende, unerbittliche" Armut, die er teils zu Gesicht bekam.

Zyniker sprachen von geschickter Publicity, aber der Mann wirkte ehrlich schockiert. Browns Biografen dagegen graben tiefer. Sein Vater John, ein presbyterianischer Pfarrer, habe dem Sohn früh die Werte einer solidarischen Gemeinschaft gepredigt. Seine Mutter Elizabeth mahnte ihn 1999 schriftlich zum Schuldenerlass für die Dritte Welt und schrieb als PS: "Du brauchst mir nicht zu antworten, verschwende dein Geld nicht für eine Briefmarke."

Frank Herrmann aus London
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schock nach der Afrika-Reise: Gordon Brown.

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