BAWAG - P.S.K. ab Oktober fusioniert

5. Juli 2005, 19:22
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Grundsatzbeschlüsse im Aufsichtsrat gegen Stimmen der Arbeitnehmervertreter - Detailbeschluss am ersten August erwartet

Wien - Fünf Jahre, nachdem die BAWAG für 1,281 Milliarden Euro die österreichische Postsparkasse (P.S.K.) gekauft hat und ein Jahr, nachdem der ÖGB die Gewerkschaftsbank wieder ganz unter sein Dach genommen hat, steht nun die Fusion an. In Sonder-Aufsichtsratssitzungen am Dienstag, gab es in beiden Häusern aber nur Grundsatzbeschlüsse. Dazu gab es vorerst nur die Mehrheit durch die Kapitalvertreter, die Belegschaftsvertreter legen sich noch quer. Denn die Betriebsräte wollen bis zu endgültigen Beschlüssen in den nächsten Wochen noch offene arbeitsrechtliche Fusionsfolgen geklärt wissen.

Bis Anfang August will man die strittigen Fragen - u.a. zum Dienstrecht sowie zur künftigen Organisation und Finanzierung der Arbeitnehmervertretung in der Bank - geklärt haben. Am 1. August tagen die Aufsichtsräte der Banken das nächste Mal. Da geht es um die letztgültigen Detailbeschlüsse zur Fusion, die nochmals beantragt wird.

Verschmelzung vor Ende September

Die zwei Banken werden vor dem 30. September zur "BAWAG Postsparkasse AG" verschmolzen, rückwirkend zum 1. Jänner. "Ab 1. Oktober soll die fusionierte Bank im Firmenbuch eingetragen sein", sagte ein Konzernsprecher am Dienstag zur APA.

Man sei jetzt in einer Phase der Verschmelzungsprüfung. "Die Geschäftsleitung hat Verständnis dafür, dass die Belegschaftsvertretung noch auf das Ergebnis der Prüfungen warten will", versicherte der Bank-Sprecher heute.

Der BAWAG-Betriebsrat wiederum äußerte heute "Verständnis für die Notwendigkeit einer Fusion von BAWAG und P.S.K.", wie es in einer Betriebsratsmitteilung hieß, weil dadurch "das Unternehmen als Ganzes gestärkt" werde. Dennoch habe man heute wegen der noch laufenden Prüfungen gegen die Fusion gestimmt.

Viertgrößte Bank Österreichs

Die BAWAG P.S.K. trat bisher im Mutter-Tochter-Verhältnis als "Gruppe" auf, sie ist mit rund 57 Milliarden Euro Bilanzsumme viertgrößte Bank Österreichs.

Mit der Fusion gibt sich die BAWAG P.S.K. jedenfalls auch eine Konzernstruktur, die den Einstieg von Partnern oder Finanzinvestoren erleichtert. Damit macht sich die bisher zu 100 Prozent dem ÖGB gehörende Bank für die Zukunft börse- oder partner-fit.

Die herbstliche Fusion ist letzter logischer Schritt der Integration. Seit 2001 waren schon Leasing, Immo-Töchter oder KAGs fusioniert, das Treasury kam ganz zur BAWAG. Laut BAWAG gab es schon seit Oktober 2001 eine "de-facto-Fusion ohne juristische Verschränkung". Bis 2006 wird auch die EDV-Integration fertig sein. Nun wird das unterschiedliche Dienstrecht der zwei Banken in den nächsten Monaten vereinheitlicht.

4.000 Mitarbeiter

Von den aktuell rund 4.000 Bankmitarbeitern im neuen großen Einzelinstitut im Inland waren bisher rund 1.500 in der P.S.K, davon rund 400 im Beamtenstatus, noch einmal so viele Vertragsbedienstete. In inländischen Töchtern sind 800 Leute tätig, in den Auslandstöchtern nochmals tausend. Für die mehr als 1,3 Millionen Kunden ändern sich mit der Fusion weder Kontonummern noch Bankleitzahlen.

Der volle neue Name der Großbank lautet: BAWAG P.S.K. Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse Aktiengesellschaft. Die Fusion braucht auch noch behördliches Okay. (APA)

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