Erst Halsweh, dann Tourette

12. Juli 2005, 12:33
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Zusammenhang zwischen Halsentzündung und neurologischen Erkrankungen nachgewiesen - Streptokokken-Infektionen scheinen wichtige Rolle zu spielen

Seattle - Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass eine in der Kindheit häufig auftretende Halsinfektion das Risiko neurologischer Erkrankungen wie des Tourette-Syndroms oder OCD erhöht. Wissenschafter des Center for Health Studies haben nachgewiesen, dass Kinder mit derartigen Erkrankungen doppelt so wahrscheinlich unter einer Streptokokkeninfektion erkrankt waren wie ihre gesunden Altersgenossen. Die Reaktion des Körpers auf die Infektion könnte ein möglicher Auslöser für neurologische Erkrankungen sein, berichten die Forscher im Fachmagazin Pediatrics.

Zusammenhang signifikant

Es ist derzeit nicht bekannt, warum der Großteil der Mio. Kinder, die jährlich unter bakteriellen Halsinfektionen erkranken, nicht auch an neurologischen Erkrankungen leiden. Die Wissenschafter untersuchten den Zusammenhang zwischen Streptokokkeninfektionen und dem Auftreten neurologischer Störungen bei 200 Kindern im Alter von vier bis 13 Jahren, bei denen zwischen 1992 und 1999 eine entsprechende Störung diagnostiziert wurde. Zur Kontrolle wurde eine Gruppe gleichaltriger Kinder herangezogen. Kinder mit Tourette-Syndrom, OCD oder ähnlichen Erkrankungen litten doppelt so wahrscheinlich in den drei Monaten vor dem Auftreten der Symptome an zumindest einer Streptokokkeninfektion. Das Auftreten der Erkrankungen war bei Patienten, die zwei oder mehr Streptokokkeninfektionen im Jahr zuvor erlitten hatten, mehr als drei Mal so häufig.

Der leitende Wissenschafter Robert Davis erklärte, dass wahrscheinlich eine ganze Reihe von Ursachen für diese Erkrankungen verantwortlich sind, die sich häufig in der Kindheit oder der Pubertät das erste Mal zeigen. Weitere Untersuchungen seien erforderlich, bevor an Eltern und Mediziner sinnvolle Ratschläge gegeben werden könnten. "Wir wissen derzeit nicht, ob die Behandlung mit herkömmlichen Antibiotika hilft, diese neurologischen Störungen zu verhindern oder die Schwere der Erkrankung verringern oder die Dauer der Erkrankung erkürzen kann." Die Gene eines Menschen dürften zusätzlich eine entscheidende Rolle spielen. Eine Infektion könnte dabei zum Auslöser werden. (pte)

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