Auch ÖVP prüft Biografien ihrer Nachkriegs-Politiker

19. Dezember 2005, 15:01
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Wohnout erwartet "aussagekräftige Ergebnisse" bis Jahresende

Wien - Nach der SPÖ will jetzt auch die ÖVP ihre "braunen Flecken" untersuchen und darstellen, wie ihre Nachkriegs-Politiker die NS-Zeit verbracht haben und wie sie politisch positioniert waren. Das berichtet die Wiener Stadtzeitung "Falter" in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe. Organisieren werden soll die "gruppenbiografische Untersuchung" von Helmut Wohnout, Partei-Historiker und Bürochef von Kunststaatssekretär Franz Morak.

Wohnout will die Lebensläufe sämtlicher Regierungsmitglieder, Nationalratsabgeordneter und Landeshauptleute der ÖVP im Nachkriegsösterreich durchforsten. "Zu Jahresende" will er Details der Studie präsentieren: "Bis dahin erwarte ich mir klare, aussagekäftige Ergebnisse. Etwa, wie viele ÖVP-Politiker im Widerstand, in der Wehrmacht beziehungsweise bei der NSDAP waren." Als Untersuchungszeitraum hat Wohnouts Team ausschließlich die NS-Zeit, also die Jahre zwischen 1938 und 1945, definiert.

Die ÖVP hatte eine derartige Studie bisher als nicht notwendig bezeichnet. Nationalratspräsident Andreas Khol etwa hatte nach der Veröffentlichung einer Studie über "braune Flecken" im BSA, dem Bund Sozialdemokratischer Akademiker, im Jänner noch gemeint: "Diejenigen, die unsere Partei gegründet haben, kamen alle aus dem KZ und aus dem Widerstand." (APA)

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