Podcasting ist der neue Trend, aber wie verdient man damit Geld?

25. Juli 2005, 14:29
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Hürden beim Versuch der Kommerzialisierung - Nur ein neues Feature, keine Werbeplattform

Podcasting ist zurzeit die gefragteste neue Medienplattform in den USA neben Blogs. Die großen Medien und auch die Werbung wollen auf den Podcasting-Zug aufspringen und experimentieren mit dem neuen Medium. Die Kommerzialisierung von Podcasting könnte sich aber als schwierig herausstellen, berichtet die New York Times (NYT).

"Viral Publishing"

Podcasting – eine Wortkreation aus dem englischen Wort für Rundfunk (Broadcasting) und dem Audioplayer iPod von Apple – sei als eine Form des "Viral Publishing" zu sehr auf die Bedürfnisse des Users zugeschnitten. Zudem könnte gerade ein Erfolg der neuen Plattform eine Hürde für die Etablierung eines Geschäftsmodells werden.

Content im Internet

Podcasting wird oft als eine Audio-Version von Blogging beschrieben. Allerdings ist das eine Übertreibung, denn das interaktive Element fehlt völlig. Es ist vielmehr eine Möglichkeit des individuellen Gestaltens und Konsumierens von Audioprogrammen. Im Vergleich zum Radio verändert sich lediglich das Vertriebssystem. Die User suchen sich beim Podcasting Audio-Content im Internet, der sie interessiert.

Audio-Dateien

Das gewählte Programm kann dabei von einer oder mehreren Person gestaltet sein, oder aber auch von herkömmlichen Radio- und TV-Sendern. Die User laden sich die Audio-Dateien auf ihre Computer bzw. MP3-Player und hören sie, wann sie wollen. Die gewählten Programme können üblicherweise auch als eine Art Newsletter oder Abo regelmäßig zugeschickt werden. Apple hat in die aktuelle Version der iTunes-Software kürzlich eine Podcasting-Funktion integriert, die die Content-Suche erleichtert. Aufgrund der Emanzipation von vorgegebenen Radio- und TV-Programmen wurde Podcasting daher auch schon mit digitalen Videorekordern verglichen.

Feature

Für Radiosender kann Podcasting ein Feature sein, mit dem neue Hörer gewonnen werden. So hat die öffentliche New Yorker Radiostation WNYC seit sie das Programm "On the media" für Podcasting anbietet pro Woche beinahe 40.000 neue Hörer gewonnen, so die NYT. Auch TV-Talkshows können so ihre Reichweite erhöhen.

Kommerzialisierung schwierig

Allerdings ist eine Kommerzialisierung schwierig, denn Werbung hat wohl dank Fast Forward keine guten Aussichten auch bei den Hörern anzukommen. Dadurch kann Podcasting wohl nur ein Feature sein, dass die Attraktivität von herkömmlichen Medien für bestimmte Zielgruppen erhöht. Eine neue Werbeplattform ist Podcasting wohl nicht. Dafür aber ein Experimentierfeld, auf dem neue Talente entdeckt und erprobt werden können.

Gebühren

Hürden auf dem Weg zu einem Geschäftsmodell für kommerzielles Podcasting sieht die NYT paradoxerweise auch bei einem Erfolg. Dann werde wohl die Diskussion losgehen, ob Podcasting nur eine Erweiterung klassischer Medien oder ein eigenes Medium ist. Die Musikindustrie beobachtet jedenfalls den neuen Trend mit Argusaugen. Da der Audio-Content für Podcasting nicht nur gestreamt bzw. einmal gesendet, sondern auch gespeichert wird, könnten neue Gebühren auf Radio- und TV-Stationen zukommen. Das würde Podcasting von bestehenden Programmen in Radio und Fernsehen angesichts beschränkter Werbemöglichkeiten wohl nicht gerade fördern. (pte)

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