Ohne Weichenstellung wächst Brenner-Transit um ein Drittel

15. Juli 2005, 16:42
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Die Schweizer Progtrans prophezeit einen weiteren Zuwachs an Lkws, selbst wenn jüngste Maßnahmenpakete umgesetzt und der Brennerbasistunnel gebaut würden

Innsbruck/Basel - Der Güterverkehr auf der Brennerroute wird in den nächsten zehn Jahren nochmals erheblich anwachsen. Die Schweizer Progtrans AG, spezialisiert auf Prognosen im Transport und Verkehrssektor, sagt unter verschiedenen Szenarien einen Gesamtanstieg für beide Verkehrsträger (Straße und Schiene) um mindestens ein Drittel voraus. Das ist einer Studie zu entnehmen, die Progtrans im Auftrag der Brennerbasistunnel SE und des Verkehrsministeriums erstellt hat. Das vorläufige Endergebnis liegt den Auftraggebern und dem STANDARD vor.

Das wohl wichtigste Ergebnis der Studie: Selbst unter verkehrspolitischen Rahmenbedingungen, die den Schienentransport erheblich begünstigen und den Straßengütertransport erschweren sollten, würde laut Progtrans das Lkw-Aufkommen auf heutigem Niveau bleiben.

Folgekosten verrechnen

Für dieses "Konsensszenario" wird eine "schienenverkehrsfreundlich(er)e Verkehrspolitik angenommen und ein Maßnahmenpaket, "das im Kontext zum EU-Weißbuch steht". Konkret: bei dem also auch Verkehrsfolgekosten (für Schäden an Gesundheit und Umwelt) den Verursachern angelastet würden. Was bei den letzten Verhandlungen zur neuen EU-Mautrichtlinie im Verkehrsministerrat jedoch dezidiert ausgeschlossen wurde.

Unter Annahme dieses Konsensszenarios würde das Verkehrsaufkommen am Brenner laut Progtrans von insgesamt 37,7 Millionen Tonnen im Jahr 2003 auf 53,4 Millionen Tonnen bis 2015 und nochmals auf 57,6 Millionen Tonnen 2025 steigen. Trotz einer dann erheblich höheren Auslastung der Bahn (25,5 Millionen Tonnen im Jahr 2015 statt 10,7 Millionen Tonnen, 2003) würde der Lkw-Transit nicht reduziert: statt 27,0 Millionen Tonnen (2003) würden 2015 sogar 27.9 Millionen Tonnen Güter auf der Straße über den Brenner befördert.

Hoher Anstieg

Ohne eine grundlegende Änderung der Verkehrspolitik prognostizieren die Baseler Verkehrsplaner einen weiteren hohen Anstieg auf der Straße. Unter Annahme des "Trendszenarios" - Fortschreibung der derzeitigen Verkehrspolitik sowie Zugrundelegung bereits beschlossener Maßnahmenpakete - würde der Straßentransit von 27,0 Millionen Tonnen auf 34,0 Millionen Tonnen ansteigen: Statt 4.313. Lkws pro Tag würden 5698 den Brennerpass queren. Das wäre ein Anstieg um ein Viertel. Auch am Tauern gäbe es ein Plus: von 12 Millionen auf 14 Millionen Tonnen.

Und dies, obwohl auch auf der wichtigsten Schweizer Route, dem Gotthard, ein Anstieg beim Straßentransit zu verzeichnen sein würde: von 9,2 Millionen Tonnen auf 11,8 Millionen. Allerdings wäre am Gotthard mit einem weit höheren Anstieg des Bahntransports zu rechnen: von 14,3 Millionen Tonnen auf 24 Millionen. (bs, DER STANDARD Printausgabe, 05.07.2005)

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