Ramallah: Rund tausend Arbeitslose demonstrieren gegen Armut

6. Juli 2005, 16:09
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Gegner des Gaza-Abzugs entwerfen "Verhaltenskodex", um Gewalt von Siedlern zu unterbinden

Ramallah/Neve Dekalim - Rund 1.000 arbeitslose Palästinenser haben am Montag gegen die weit verbreitete Armut in den Autonomiegebieten protestiert. Nach einem Marsch durch Ramallah im Westjordanland versammelten sich die Teilnehmer vor Amtssitz von Regierungschef Ahmed Korei, um mehr Maßnahmen zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Armut zu fordern.

In einer kurzen Ansprache versicherte der Ministerpräsident, die Regierung sei dabei, ein Hilfsprogramm umzusetzen, das unter anderem Zuschüsse für Arbeitslose und Zwei-Monats-Jobs beinhalte. Nach offiziellen Angaben liegt die Arbeitslosenrate in den palästinensischen Gebieten bei 26 Prozent. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geht allerdings weniger als die Hälfte der palästinensischen Männer und unter zehn Prozent der Frauen im erwerbstätigen Alter einer regelmäßigen Beschäftigung nach. 62 Prozent der palästinensischen Familien leben in Armut.

"Verhaltenskodex"

Mit einem "Verhaltenskodex" gegen Gewalt wollen unterdessen die Gegner des geplanten israelischen Abzugs aus dem Gaza-Streifen Ausschreitungen radikaler Siedler künftig unterbinden. Nach Angaben aus Siedler-Kreisen verhandelten Vertreter des jüdischen Siedlerrats Jesha, Politiker der extremen Rechten sowie einige Rabbiner in der Siedlung Neve Dekalim über die Erstellung von Regeln, welche die Gegner des Abzugs dazu anhalten, gegen israelische Sicherheitskräfte oder Palästinenser künftig keine Gewalt mehr anzuwenden.

Das öffentliche Ansehen der Siedler hatte gelitten, nachdem israelische Extremisten im Gaza-Streifen vergangene Woche in einem Akt versuchter Lynchjustiz einen jungen Palästinenser schwer verletzt hatten. Der rechte Abgeordnete und ehemalige Wohnungsminister Effi Eitam erteilte der Anwendung körperlicher Gewalt bei künftigen Protestaktionen im israelischen Rundfunk eine Absage. Auch das Stürmen von Straßen sei nicht akzeptabel. "So etwas verbietet nicht nur das Gesetz, sondern auch die jüdische Tradition", sagte Eitam. (APA/AFP)

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