Private brauchen mehr Kredite

18. Juli 2005, 09:41
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Trotz geringerer Ein­kommen wurde im Vorjahr nach Angaben der Notenbank mehr konsumiert - Gleichzeitig stiegen Sparquote und Verschuldung der privaten Haushalten weiter

Wien - Der Verschuldungsgrad der österreichischen Haushalte ist 2004 weiter gestiegen und liegt erstmals bei über 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) - aber noch unter dem EU-Schnitt von 57 Prozent, wie Josef Christl von der Österreichischen Nationalbank (OeNB), am Montag bei der Präsentation des Finanzmarktstabilitätsberichtes sagte. Die Kredite der privaten Haushalte lagen mit 7,7 Mrd. Euro um sieben Prozent über 2003.

Der Großteil der Kredite floss in Wohnraumbeschaffung (fünf Mrd. Euro), während die Konsumkredite 1,3 Mrd. Euro ausmachten. Sorgen macht sich die Notenbank angesichts des verhaltenen Einkommenswachstums bei den Konsumkrediten, "weil bei Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers keine Sicherheiten zur Deckung vorhanden sind". Bei Wohnraumkrediten ist das anders, da dient die Immobilie als Sicherheit.

Sparquote gestiegen

Die Sparquote stieg im Vorjahr von 8,9 auf 9,3 Prozent. Heuer prognostiziert die OeNB neuerlich einen Anstieg auf 9,7 Prozent. Allerdings: Die zwischen Arbeitnehmern und Selbständigen stark unterschiedlichen Einkommenszuwächse deuten darauf hin, dass sich die Vermögensbildung in den vergangenen Jahren sehr ungleich zwischen Arbeitnehmern und Selbstständigen verteilt hat.

Insgesamt wuchs das Vermögen (Sach- und Geldvermögen) der Österreicher von rund 20 Mrd. auf knapp 22 Mrd. Euro. Die Kursgewinne der Privaten summierten sich im Vorjahr auf 3,5 Mrd. Euro. Der Anteil der Wertpapiere an der Vermögensbildung hat sich auf 35 Prozent verdoppelt.

Einkommenssituation stabil

Die Einkommenssituation der privaten Haushalte hat sich nur marginal verbessert. Die verfügbaren Einkommen blieben mit real 1,7 Prozent nahezu stabil. Für heuer prognostiziert die OeNB eine Verbesserung der Haushaltseinkommen.

Die verfügbaren Einkommen sollen real um zwei Prozent wachsen. Davon wird aber wenig übrig bleiben, wenn die Inflations-Prognosen der Wirtschaftsforscher, die heuer bei 2,5 Prozent liegen, zutreffen.

Besorgt beobachtet die Notenbank den weiter anhaltenden Boom bei Fremdwährungskrediten. Bereits 30 Prozent der Privat-Kredite wird in Fremdwährungen vergeben. Auffallend ist, dass es vor allem in Westösterreich den Trend zum Fremdwährungskredit gibt.

Christl erklärte dies mit der Nähe zum Schweizer Arbeitsmarkt. Die stärksten Zunahmen seit 2002 gab es in Kärnten und Niederösterreich, wo derzeit ein Bestand von 34 beziehungsweise 26 Prozent erreicht wird. Am wenigsten verschulden sich die Oberösterreicher (18 Prozent) und Salzburger in fremden Währungen.

Vom Yen zum Franken

Der Trend geht, so Chrisl, zum Schweizer-Franken-Kredit, was positiv ist, da der Schweizer Franken nicht solchen Schwankungen wie der Yen unterliegt. Bereits über 90 Prozent der privaten Fremdwährungskredite lauten auf Schweizer Franken. Christl: "Das Wechselkursrisiko könnte eine "große Bedrohung" für die Entwicklung der Haushalte sein, stelle aber kein Systemrisiko dar.

Die Unternehmens-Kredite haben ebenfalls wieder zugenommen. Denn die Unternehmensgewinne fließen vor allem in den Schuldenabbau, so Christl. Für neue Projekte und Investitionen werden Kredite aufgenommen.

Die Zinsen für Unternehmenskredite lagen im Durchschnitt des ersten Quartals 2005 um 0,2 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahresquartal. Unternehmen holen sich aber auch vermehrt Geld vom Kapitalmarkt. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.07.2005)

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    Infografik: Boom bei Fremdwährungskrediten

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    Die OeNB macht sich angesichts des verhaltenen Einkommenswachstums Sorgen um die Konsumkrediten.

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