Moderne Ansichten

4. Juli 2005, 22:50
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Lehárs Operetteneinakter "Mitislaw der Moderne" beim Letzten Erfreulichen Operntheater L.E.O.

Auch das Letzte Erfreuliche Operntheater in Wien springt auf den Zug auf und präsentiert - gemeinsam mit der Armin-Berg- Gesellschaft - sein Sommervarieté, Lehárs Operetteneinakter Mitislaw der Moderne. Eine jener zwiespältigen Sorte von Operetten, die vor dem Ersten Weltkrieg den längst heruntergekommenen Spätfeudalismus zugleich bekräftigen und entkräftigen, verlachen und verklären. Herzog Mitislaw (Stefan Fleischhacker), Fürst eines gedachten Balkanstaates, ist eifriger Verfechter der modernen Paarbeziehung. Schon der Beiname des Herzogs verhieß dem brav-bürgerlichen Wiener Uraufführungspublikum von 1907, was die farbenprächtige und frivole Bühnenhandlung erfüllt - Purpurrobe und Revueröckchen nebeneinander. Dafür sorgten die Librettisten Fritz Grünbaum und Robert Bodanzky. Erika Hornik, die Prinzessin Amaranth, erklärt Graf Thaddäus Jerzabinka (Martin Thoma) und dem Hofstaat, wie Frauen bei Männern reüssieren, wobei ein durchbrochener Seidenstrumpf eine gewisse Rolle spielt.

Im ersten Teil ist ein Potpourri aus Chansons der Zwanziger und Dreißiger sowie zwei Opernduette zu hören, Christina Renghofer ist an diesem Abend die Musikmeisterin. Dass z. B. die Theaterdekoration am Premierenabend umfiel, zeugt vom der Operette immanenten unbekümmerten Hang nach anarchischem Rausch, eben der Dauerverletzung bürgerlicher Gesellschaftsmoral. (henn/DER STANDARD, Printausgabe, 05.07.2005)

Letztes Erfreuliches Operntheater
3., Baumannstr.
01/712 14 27
20 Uhr
  • Ganz schön dick aufgetragen: das Ensemble des Letzten Erfreulichen Operntheaters
    foto: l.e.o.

    Ganz schön dick aufgetragen: das Ensemble des Letzten Erfreulichen Operntheaters

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