Studenten im Puff

4. Juli 2005, 19:37
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Dass der "Tatort" natürlich nicht immer um die Klischees des Krimis umhinkommt, gesteht man ihm ja gerne zu ...

Dass der Tatort natürlich nicht immer um die Klischees des Krimis umhinkommt, gesteht man ihm ja gerne zu. Immerhin bemühen sich die vor allem in Deutschland produzierten Tatorte - Österreich baut da, mangels fehlender Großstädte, immer noch viel zu sehr auf Folklore -, aktuelle Trends, Szenen und Slangs oder eben auch soziale Themen nicht links liegen zu lassen.

In der am Sonntag auf ORF 1 ausgestrahlte Folge um das Duo Ehrlicher und Kain, wohl eines der profiliertesten Duos in der Welt des telegenen Kriminals, schnappte die Klischeefalle jedoch aufs Ärgste zu.

In dem "Rotkäppchen" betitelten Krimi verschaut und verliebt sich Kommissar Kain (Peter Sodann) nämlich in die Kellnerin eines Puffs. Das kann natürlich so nicht durchgehen.

Deshalb ist die Kellnerin in Wirklichkeit eine sittlich total integre Studentin, die auch nie nicht mit den bösen Besuchern des Etablissements aufs Zimmer gehen würde um dort Schande, verderben und ihr Erbteil zu riskieren. Bei ihrer Ehr!

Dass die Handlung, die dann sogar Sexualstrafdelikte mit Minderjährigen in dasselbe Lokal platziert, darunter schon erheblich leidet - egal. Was aber noch mehr ärgerte, ist dieses ausgelatschte Klischee von der Studentin im Puff. Grundgütiger! Wie platt kann man es noch anlegen?

Sehr: Um den dann unter Mordverdacht geratenden Kain zu beschützen, springt die ebenfalls verliebte Studentin sogar über ihren Schatten - und lügt den U-Richter an. Das glückliche Ende war dann nur eine Frage der Sendezeit. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 5.7.2005)

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