3. Etappe: Sensationelle Österreicher

28. Juni 2006, 17:11
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Belgier Tom Boonen ge­winnt auch Etappe drei im Sprint, Peter Wrolich wird Zweiter, Bern­hard Eisel Vierter - McEwen zurückgereiht

Tours - Österreichs Sprinter haben der dritten Etappe der Tour de France am Montag ihren Stempel aufgedrückt. Der Kärntner Peter Wrolich musste sich nach 212,5 Kilometern von La Chataigneraie nach Tours nur dem belgischen Superstar Tom Boonen geschlagen geben, belegte als Zweiter den besten Etappenplatz eines Österreichers in der Nachkriegszeit. Hinter Stuart O'Grady (AUS) belegte mit Bernhard Eisel ein weiterer Österreicher Rang vier.

Unfassbarer Traum

"Es ist ein Traum, einfach unfassbar", rang Wrolich im Ziel nach Worten. "Wie gestern bin ich für meinen Gerolsteiner-Teamkollegen Robert Förster angefahren, dann bemerkte ich plötzlich ein Loch hinter Boonen", schilderte der Klagenfurter, der am Vortag 200 m vor dem Ziel geführt und sich schließlich als Siebenter klassiert hatte.

In Tours landete "Paco" Wrolich noch weiter vorne, musste in der Stadt der Könige lediglich die Übermacht des neuen Sprinter-Königs aus Belgien anerkennen. Der QuickStep-Fahrer hatte schon die zweite Etappe und im Frühjahr das Klassiker-Double Paris-Roubaix und Flandern-Rundfahrt gewonnen.

"Eine beinharte Sache"

"Der Sprint war eine beinharte Sache, ich habe volles Risiko genommen", meinte Wrolich, der mit hoher Endgeschwindigkeit die australischen Asse Robbie McEwen, der wegen Verlassens seiner Linie von der Jury auf den letzten Platz zurückgereiht wurde, und O'Grady auf Distanz hielt. Der 31-Jährige sorgte damit für den besten Etappenplatz eines Österreichers seit Max Bulla, der 1931 drei Teilstücke der "Tour der Leiden" für sich entschieden hatte.

Seit 1945 landeten mit Adolf Christian (1957 in Cannes), Peter Luttenberger (1996 in Les Arcs) und Georg Totschnig (2004 in Plateau de Beille) lediglich drei Österreicher jeweils als Dritter auf dem Podest. Im Vorjahr war Wrolich mit einer Fluchtgruppe auf der 14. Etappe als Fünfter der nur knapp daran vorbeigefahren.

Waren es in den vergangenen Jahren noch Kletterer wie Luttenberger und Totschnig, so sorgen bei der laufenden Frankreich-Rundfahrt die Austro-Sprinter für internationales Aufsehen. Der Steirer Eisel war mit einem Etappensieg bei der Tour de Suisse in die Mitte der Weltspitze gefahren, profitierte von der Bestrafung McEwens und wurde Vierter.

Eingesperrter Eisel

Im Gegensatz zum Vortag wurde bei seinem Team Francaise des Jeux diesmal für den - wie Boonen - 24-Jährigen gefahren. "Mein Teamkollege Baden Cooke hat derzeit keine gute Form", erklärte Eisel, der trotz Rang vier einer vergebenen Chance nachtrauerte: "Es wäre mehr möglich gewesen. 100 Meter vor dem Ziel war ich eingesperrt. Damit waren alle Chancen dahin", sagte Eisel, der wie Wrolich in Klagenfurt lebt. Beide sind damit nun echte Anwärter auf den ersten österreichischen Tour-Etappensieg seit Bullas "Triple".

Vor der Sprintankunft hatten lange drei Ausreißer das Rennen geprägt. Der ehemalige Weltranglisten-Erste Erik Dekker (NED), der Franzose Nicolas Portal und der Schweizer Rubens Bertogliati hatten bis zu 5:40 Minuten Vorsprung, ehe die Sprinter-Teams von Boonen, Eisel und McEwen (Davitamon) reagierten. Portal und Dekker wurden erst drei Kilometer vor dem Ziel gestellt, Letzterer trug als Belohnung zumindest das Bergtrikot davon.

Bertogliati, der schon 2002 als 23-Jähriger in Luxemburg sensationell ins Gelbe Trikot gefahren war, war zwischenzeitlich sogar im virtuellen Gesamtklassement in Front gelegen. In der Realität verteidigte Zeitfahr-Sieger Zabriskie aber sein Gelbes Trikot zwei Sekunden vor dem sechsfachen Tour-Triumphator Lance Armstrong. Mit Totschnig rangiert der aussichtsreichste Österreicher vor dem Mannschaftszeitfahren am Dienstag weiterhin 2:37 Minuten zurück auf Platz 110. Gerrit Glomser beendete die Etappe als 18., liegt gesamt zeitgleich mit Wrolich auf Rang 128. (APA)

3. Etappe (La Chataigneraie-Tour/212,5 km):

1. Tom Boonen (BEL/Quickstep) 4:36:09 Stunden (Schnitt: 46,2 km/h) - 2.Peter Wrolich (AUT/Gerolsteiner) - 3. Stuart O'Grady (AUS/Cofidis) - 4. Bernhard Eisel (AUT/FdJeux.com) - 5. Allan Davis (AUS/LSW) - 6. Robert Förster (GER/Gerolsteiner) - 7. Magnus Backstedt (SWE/Liquigas) - 8. Antony Geslin (FRA/BTL) - 9. Thor Hushovd (NOR/Credit Agricole) - 10. Angelo Furlan (ITA/ITA/Domina Vacanze) ... 18. Gerrit Glomser (AUT/Lampre) - 74. Georg Totschnig (AUT/Gerolsteiner) - 87. Lance Armstrong (USA/Discovery Channel), alle gleiche Zeit

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    Boonen gewinnt, Wrolich (Dritter von rechts) wird Zweiter, Eisel (ganz rechts) Vierter.

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    McEwen probiert es mit einer Kopfnuss - und wird zurückgereiht.

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