Ausmaß von VW-Korruptionsaffäre weiter unklar

5. Juli 2005, 10:49
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Offenbar mehrere Firmen beteiligt - Volkswagen stoppt angeblich Expansionspläne in Indien

Hannover - In der VW-Schmiergeldaffäre ist das ganze Ausmaß weiter unklar. Es könnten mehrere Firmen in die Unregelmäßigkeiten verwickelt sein, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Klaus Ziehe, am Montag sagte.

Dies habe VW bei der Anzeige gegen den früheren Skoda-Personalchef Helmuth Schuster angedeutet. Es bestehe der Verdacht, dass Gelder der VW-Tochter auf Konten dieser Firmen oder Privatkonten gelandet sind.

Gegen Schuster und einen weiteren Mitarbeiter wird wegen Verdachts der Untreue ermittelt. Schriftliche Unterlagen zu der Affäre waren am Montagnachmittag noch nicht bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. VW hatte diese für den Anfang dieser Woche in Aussicht gestellt.

Sobald diese Schriftstücke eingegangen seien, wolle man sie "mit aller Ruhe und Sorgfalt" prüfen, sagte Ziehe. Dies könne einige Zeit dauern.

Noch keine konkreten Fakten

IG Metall-Chef Jürgen Peters warnte unterdessen vor vorschnellen Urteilen. "Derzeit gibt es nur Medienberichte, in denen alle möglichen Spekulationen in einen Topf geworfen werden, aber keine Fakten", erklärte er in Frankfurt am Main.

"Auf Basis dieser Gerüchteküche verbieten sich vorschnelle Beurteilungen, sie kommen einer Vorverurteilung gleich." Die IG Metall sei an einer schnellen Aufklärung interessiert und begrüße deshalb die Einschaltung von unabhängigen Wirtschaftsprüfern.

Kritik an Wulff

Als "durchsichtig" bezeichnete Peters Versuche des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), VW-Personalvorstand Peter Hartz öffentlich zu beschädigen.

"Wenn Herr Wulff über Erkenntnisse verfügt, die einen Angriff auf ein Vorstandsmitglied des Unternehmens rechtfertigen, dann ist es seine Pflicht, diese in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung auf den Tisch zu legen", sagte Peters.

So entstehe jedoch der Eindruck, dass es Wulff nicht allein um Aufklärung gehe, sondern darum, das deutsche Mitbestimmungsmodell zu diskreditieren.

Nach Medienberichten über mögliche Verwicklungen von Peter Hartz in die Affäre hatte Wulff in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" erklärt: "Es kann auch für Peter Hartz und für andere keinen Persilschein geben, sondern wir werden jetzt die Dinge aufbereiten."

IG Metall warnt vor Pauschalurteilen

Die IG Metall hatte am Sonntag den zurückgetretenen Betriebsratschef Klaus Volkert, der Presseberichten zufolge ebenfalls in den Skandal verwickelt sein soll, aufgefordert, umgehend zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Zugleich warnte die Gewerkschaft davor, das "Fehlverhalten einzelner Personen" zu einer generellen Abrechnung mit dem "bewährten Mitbestimmungsmodell" bei VW zu missbrachen.

Die VW-Korruptionsaffäre wirkt sich offenbar auch auf die Geschäftstätigkeit des Autobauers aus. Demnach verzögert sie nach einem Bericht des "Tagesspiegels" die geplante Expansion in Indien.

Konzernchef Bernd Pischetsrieder habe die Vorstandsentscheidung über den Aufbau einer Produktionsstätte in Indien auf Eis gelegt, berichtete die Zeitung am Montag. Sie werde verschoben, bis die Affäre um angeblich geforderte Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit der Indien-Expansion vollständig geklärt sei, meldete die Zeitung unter Berufung auf Zulieferkreise. Ein Konzernsprecher wollte dies nicht kommentieren.

Pischetsrieder hatte eine "lückenlosen Aufklärung" der Affäre angekündigt und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu Hilfe gerufen. (APA/AP)

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