Anti-Download-Gesetz: "Jeder zehnte Schwede wird zum Kriminellen"

27. Juli 2005, 11:01
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Schweden als Download- Paradies – Zweifel an der Wirksamkeit des neuen Gesetzes

"Wenn die Schweden nicht plötzlich ihre Gewohnheiten geändert haben, dann wurde etwa jeder Zehnte am Freitag um Mitternacht zum Kriminellen", beginnt der erste Satz einer aktuellen Meldung der Presseagentur AP. Sie nimmt darin Bezug auf ein neues Gesetz, das Filesharing in Schweden regeln soll.

900.000 Downloader

Die Filesharing-Gewohnheiten der sehr technik-affinen Schweden waren der Film- und Musikindustrie schon lange ein Dorn im Auge. Etwa zehn Prozent der Einwohner oder 900.000 Schweden haben regelmäßig urheberrechtlich geschütztes Material heruntergeladen, berichtet BBC.

Neues Gesetz

Bisher galt Schweden als Paradies für Filesharer, da zwar schon bisher das zur Verfügung stellen von urheberrechtlich geschützter Musik und Filmen verboten war, nicht aber der Download für den persönlichen Gebrauch. Laut neuem Gesetz ist nun auch der Download verboten.

"Ein Gesetz alleine ändert gar nichts"

"Ein Gesetz alleine ändert gar nichts. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Piraten ihr Verhalten ändern werden", gibt sich selbst der Sprecher der schwedischen Anti-Piratier-Gruppe Antipiratbyran skeptisch.

Zwar haben die meisten politischen Parteien das neue Gesetzt unterstützt, Justizminister Thomas Bodstrom sieht aber die Verfolgung von Downloadern nicht als erste Priorität der Polizei: "Es wäre genauso unangemessen die Ressourcen der Polizei zur Untersuchung von einzelnen Download-Fällen zu strapazieren, wie Ladendiebstählen eine höhere Priorität als Raubüberfällen einzuräumen".

In Österreich

In Österreich ist es ebenso verboten, urheberrechtlich geschütztes Material im Internet via P2P-Tauschbörsen anzubieten. Der Verband der Österreichischen Musikwirtschaft ( IFPI) sieht auch den Download als klar illegal, diese Meinung ist unter Juristen aber alles andere als unumstritten. Bisher wurden in Österreich auch ausschließlich so geannte Uploader geklagt. Insgesamt wurden bisher mehr als 200 Verfahren gegen Personen eingeleitet, die jeweils eine große Anzahl von Musikfiles ohne die Zustimmung der Rechteinhaber, im Internet verbreitet haben. "Wir konzentrieren uns ausschließlich auf die User die eine große Anzahl von Musikfiles im Internet verbreiten", sagt auch IFPI-Geschäftsführer Medwenitsch.(red)

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