Boom bei Fremdwährungskrediten ungebrochen

4. Juli 2005, 19:30
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Über 30 Prozent der Haushaltskredite in fremden Währungen - OeNB und FMA planen Aufklärungskampagne - Mit Infografik

Wien - Der Boom bei Fremdwährungskrediten bei privaten Haushalten hält in Österreich trotz aller Warnungen von Nationalbank und Finanzmarkaufsicht (FMA) weiter an.

"Bereits über 30 Prozent der Haushaltskredite werden in fremder Währung aufgenommen und dieser Anteil steigt immer weiter", sagte OeNB-Direktor Josef Christl am Montag bei der Präsentation des 9. Finanz­markt­stabilitäts­berichtes der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Bei den Unternehmenskrediten sei der Anteil von Fremdwährungskrediten dagegen auf unter 15 Prozent gesunken.

Aufklärung

Christl kündigte an, die OeNB werde gemeinsam mit der FMA weiter über die Risiken von Fremdwährungskrediten aufklären. "In der Vergangenheit haben viele Haushalte davon profitiert, das heißt aber nicht, dass es auch in Zukunft so weiter geht", meinte Christl.

Das Wechselkursrisiko könnte eine "große Bedrohung" für die Entwicklung der Haushalte sein, stelle aber kein Systemrisiko dar. "Wir wollen aufklären, nicht regulieren", betonte der OeNB-Direktor.

Westliche Grenzgänger

Begonnen habe der Boom in Westösterreich bei den Grenzgängern in die Schweiz. Dementsprechend liegt laut OeNB auch in Vorarlberg der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten Haushaltskrediten bei 60 Prozent und in Tirol bei 48 Prozent am höchsten.

Die stärksten Zunahmen seit 2002 gab es in Kärnten und Niederösterreich, wo derzeit ein Bestand von 34 bzw. 26 Prozent erreicht wird. In Wien liegt der Anteil an Fremdwährungskrediten bei 29 Prozent und im Burgenland bei 26 Prozent. Verhältnismäßig am wenigsten Verschulden sich die Oberösterreicher (18 Prozent) und Salzburger (13 Prozent) in fremden Währungen.

Per Jahresende 2004 lag das Volumen der privaten Fremdwährungskredite bei 28,5 Mrd. Euro gegenüber 23,7 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Unternehmen waren mit 16,1 (17,8) Mrd. Euro in fremden Währungen verschuldet, aber auch der Staat hatte sich 2004 mit 1,7 Mrd. Euro gegenüber 1,2 Mrd. Euro verstärkt in fremder Währung engagiert.

Vom Yen zum Franken

Sehr positiv bewertet Christl den Wechsel von Yen in den Schweizer Franken: Über 90 (2003: 82) Prozent der privaten Fremdwährungskredite lauten auf Schweizer Franken, 5,6 (12,2) Prozent auf Yen und 3,6 (5,0) Prozent auf US-Dollar.

Auch generell nahm die Verschuldung der privaten Haushalte weiter zu. Bis 2004 stieg der Verschuldungsgrad relativ kontinuierlich auf über 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), lag damit aber noch unter dem EU-Schnitt von 57 Prozent.

Kursgewinne

Unterstützt wurde der Vermögensaufbau der Haushalte dagegen durch die Kursentwicklung auf den Kapitalmärkten. Nach noch markanten Verlusten von knapp 4 Mrd. Euro im Jahr 2002 summierten sich 2004 die Bewertungsgewinne wieder auf 3,5 Mrd. Euro und setzten sich auch im ersten Halbjahr fort, so Christl.

Auch die Veranlagungsstrategie hat sich geändert: 35 Prozent des Geldvermögens wird nun wieder in Aktien, Anleihen oder Investmentfonds veranlagt. (APA)

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    Infografik: Boom bei Fremdwährungskrediten

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