Tsunami hat auch für Aids-Bekämpfung Folgen

11. Juli 2005, 13:00
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UNO "extrem besorgt": Obdachlosigkeit und Zusammenbruch regionaler Gesundheitssysteme verschlimmern die Situation

Kobe - Die verheerende Tsunami-Katastrophe in Südostasien hat in der Region nach Einschätzung der Vereinten Nationen (UNO) auch die Aids-Bekämpfung erschwert. Durch die Flutwellen sind Millionen Menschen obdachlos geworden und müssen auch sechs Monate danach noch immer unter schwierigsten Bedingungen leben. Zudem brach vielerorts das Gesundheitssystem völlig zusammen, wodurch viele Menschen keine Kondome mehr erwerben können.

Dieses Umfeld erhöhe die Gefahr einer weiteren rasanten Verbreitung der tödlichen Immunschwächekrankheit Aids in Asien, sagten UN-Vertreter am Montag auf einer internationalen Aids-Konferenz in der westjapanischen Stadt Kobe. "Wir sind deshalb extrem besorgt", betonte Jan Leno vom Sekretariat des Aids-Programms der UNO. Zwar sei die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus in der Tsunami-Region noch nicht gestiegen. Doch jüngste Umfragen zeigten einen Anstieg von Schwangerschaften und von Krankheiten, die beim Geschlechtsverkehr übertragen würden.

Zahlen und Fakten

Nach UN-Schätzungen sind in Asien 8,2 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, weltweit leben 39 Millionen Menschen mit HIV oder Aids. Die UNO warnt, ohne Gegenmaßnahmen seien 2010 allein in Asien rund zwölf Millionen infiziert. Mittlerweile entfällt eine von vier Neuinfektionen mit dem HI-Virus auf Asien; 1500 Menschen sterben dort täglich an Aids.

J.V.R. Prasada Rao, Asien-Regionaldirektor des UN-Aidsprogramms, hatte Aids am Wochenende als stillen Tsunami bezeichnet, der nicht mit einem Donnerschlag Hunderttausende töte. Bei der Flutwellen-Katastrophe waren Ende Dezember 2004 in den Anrainerstaaten des Indischen Ozeans mehr als 230.000 Menschen ums Leben gekommen.(APA)

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UNAIDS
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