Wachsende Nervosität vor geplantem Gaza-Abzug

7. Juli 2005, 10:30
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Katzav warnt vor Gefahr eines Anschlags auf Sharon

Jerusalem - Unter dem Eindruck des erbitterten Widerstandes gegen den geplanten Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen hat der israelische Staatspräsident Moshe Katzav vor Mordanschlägen auf führende Politiker, insbesondere Regierungschef Ariel Sharon, gewarnt. Das Staatsoberhaupt verglich am Montag im Militärrundfunk die derzeit vorherrschende Atmosphäre mit der Stimmung kurz vor der Ermordung von Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin durch einen rechtsextremen Fanatiker im Jahr 1995 und sagte: "Ich fürchte einen neuen Yigal Amir."

Der Inlandsgeheimdienst Shin Beth hat mehrfach gewarnt, Extremisten planten, den für August geplanten Gaza-Abzug mit einem Attentat zu stoppen. Fanatisierte Siedler sollen geäußert haben, Sharon müsse "den gleichen Weg gehen wie Rabin". Ultrarechte Politiker haben vor einem Bürgerkrieg gewarnt, sollten jüdische Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten geräumt werden. Katzav forderte die Siedler und besonders die Rabbiner auf, sich im Ton zu mäßigen. Extremisten könnten die Aussagen einiger Rabbiner missverstehen, dass der Abzug die Existenz Isaels gefährde. "Einige irregeleitete Individuen könnten sagen 'Ich muss den Staat Isarel retten, weil die Rabbiner sagen, er sei gefährdet'", sagte der Präsident.

Verhaltenskodex

Vertreter der Siedler einigten sich unterdessen auf einen Verhaltenskodex für die Zeit des Abzugs. Darin wurde zum gewaltlosen Widerstand und zur freiwilligen Abgabe der Waffen aufgerufen. Auch verbal wollen sich die Siedler gegenüber den Sicherheitskräften zurückhalten und auf Provokationen verzichten. Eine Gruppe israelischer Jugendlicher hatte in der vergangenen Woche einen Palästinenser angegriffen. Sie warf Steine auf den blutenden Kopf des Bewusstlosen, den ein israelischer Journalist in letzter Minute mit Unterstützung von Soldaten vor dem wütenden Mob retten konnte. Die Polizei nahm am Sonntag den 18-jährigen Lynch-Hauptverdächtigen fest. Sharon hatte die gewalttätigen Siedler als "Barbaren" bezeichnet.

Die israelischen Streitkräfte räumten am Montag Soldaten-Unterkünfte im Gaza-Streifen. Ein Kran lud die vorgefertigten Einheiten auf einen Lastwagen, der sie wegbrachte. Mit der Räumung der Unterkünfte war schon vor sechs Wochen begonnen worden. (APA/Reuters)

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    Eine israelische Siedlerin inmitten ihres Besitzes bevor sie ihr Haus in Elei Sinai verlässt.

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