Ferrari hoffnungslos unterlegen

8. Juli 2005, 14:26
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Schumacher spielt nur noch dritte Geige im GP-Orchester - Klien zur Red-Bull-Leistung: "Zwi­schen Platz zwölf und 15 ist unsere Region"

Magny-Cours - Michael Schumacher spielt im Grand Prix-Orchester nur noch die dritte Geige. Frankreich-Sieger Fernando Alonso gibt nun den Ton an, und neben dem spanischen WM-Spitzenreiter geigt auch Kimi Räikkönen weiter groß auf im Vollgas-Zirkus. Der Finne bewies im zehnten Formel-1-WM-Lauf in Magny-Cours, dass er selbst noch vom 13. Startplatz aus in der Lage ist, problemlos an "Schumi" vorbeizuziehen und auf Rang zwei zu fahren.

Trotz der klaren Niederlage in Frankreich hofft Rekord-Weltmeister Schumacher, im Großbritannien-GP am kommenden Sonntag auf die Wende. "Die Formel 1 ist sehr schnelllebig", erinnerte der Ferrari-Star an eine ähnliche überlegende Triumphfahrt des Spaniers Alonso wie am Sonntag in Frankreich. "Vor zwei Jahren hat mich Alonso in Ungarn überrundet - und das nächste Rennen in Monza habe ich gewonnen."

Todt: "Mehr war schlichtweg nicht drin"

Der dritte Platz in Magny-Cours täuscht allerdings etwas über die tatsächliche Demontage Schumachers hinweg. Auch wenn er 18 Runden lang am meisten unter Toyota-"Bremsklotz" Jarno Trulli zu leiden hatte, eine echte Siegchance besaß der Deutsche trotzdem nicht. "Mehr war schlichtweg nicht drin", räumte Ferrari-Direktor Jean Todt frustriert ein. "Die zwei vor ihm waren einfach schneller."

Laut Schumacher hätte es auf seiner Erfolgsstrecke, auf der er bisher sieben Mal triumphierte, weit schlimmer kommen können. "Ohne die Probleme von Fisichella und Montoya wäre ich vielleicht nur Fünfter geworden", gestand der 36-Jährige. "Und eher hätte Kimi das Rennen gewonnen, als dass ich ihn geschlagen hätte."

Lob für Räikkönen

Nicht nur für Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug war der Finne nach seiner beeindruckenden Aufholjagd "der Mann des Tages". Auch Schumacher zog vor Räikkönen den Hut: "Beeindruckend war, um ehrlich zu sein, Kimis Leistung. Unter normalen Umständen hätte er wahrscheinlich groß aufgetrumpft."

Räikkönen hofft darauf, dass ihm in Silverstone auf der McLaren-Hausstrecke ein ähnlicher triumphaler Auftritt wie Alonso im Renault-Heimspiel gelingt. "Ich will in England unbedingt gewinnen und den Rückstand auf Alonso in der WM verkürzen", lautet die Ansage des "Iceman", der im Moment 24 Punkte Rückstand auf den fünffachen Saisonsieger aufweist.

Selbst Schumacher hat trotz des schier aussichtslosen Rückstands von 29 Zählern auf Alonso im Titelrennen nicht resigniert. "Es gibt keinen Grund, die WM abzuhaken", kündigte der siebenfache Rekord-Champion den beiden Jungstars einen erbitterten Kampf an. "Es sind noch neun Rennen, und die mathematische Chance besteht."

Im Gegensatz zu vielen Experten, für die Schumacher angesichts der Dominanz von Renault und McLaren-Mercedes keine WM-Chance mehr hat, warnte Alonso davor, den Titelverteidiger vorzeitig abzuschreiben: "Auch Michael ist noch im Rennen. Ich habe zwar einen großen Vorsprung, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns. Da kann noch viel passieren."

Klien hofft auf Silverstone

Während es in Silverstone zum nächsten Duell von Alonso mit Räikkönen um den Sieg kommen dürfte, hofft Christian Klien nach den extrem kurzen Auftritten in den USA (Nichtantreten wegen Michelin-Reifenproblems) und Frankreich (Out in Runde zwei wegen fehlenden Benzindrucks), in Großbritannien endlich wieder die Zielflagge zu sehen. "Ich hoffe, dass in Silverstone das ganze Wochenende um einiges besser funktioniert. Der Kurs liegt mir, wir haben auch schon mehrmals darauf getestet."

Trotzdem glaubt Klien, dass Red Bull derzeit nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft in die Punkte zu fahren. "Wir werden in Silverstone sicher keinen sehr großen Schritt nach vorne machen, zwischen Platz zwölf und 15 ist derzeit unsere Region", weiß Klien, dass er im Moment mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat wie der Kärntner Patrick Friesacher im Nachzügler-Team von Minardi.(APA/dpa)

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    Mit dem Champagner kann Schumacher allemal besser umgehen.

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