Die Heimkehr der Legionäre

18. Juli 2005, 14:10
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Bevorstehender Liga-Boom und Heim-EM 2008 lockten Klassespieler in die Heimat

Wien - Im Sommer 2005 hat im österreichischen Fußball die große Heimkehr der Legionäre eingesetzt. Rot-Weiß-Rote Klassespieler wie Markus Schopp, Alexander Manninger, Roman Wallner, Thomas Mandl, Gerd Wimmer oder Muhammet Akagündüz haben ihre Auslandsgeschäfte (bis auf weiteres) ad acta gelegt und sind ab sofort wieder in den heimischen Stadien zu bewundern.

Die Hauptgründe fürs "Heimweh": Der sich ankündigende Liga-Boom und die in nicht einmal drei Jahren beginnende Heim-EM 2008 - Manninger, Mandl, Wallner und Co. wollen sich zurück in die Stammformation von Teamchef Hans Krankl kämpfen. Die APA hat vor dem Anpfiff zur Saison 2005/2006 mit den wichtigsten Heimkehrern gesprochen.

MARKUS SCHOPP (31/Brescia - Salzburg): In vier Jahren in der italienischen Serie A, einer der härtesten Ligen der Welt, hat Schopp alle Höhen und Tiefen des Profi-Fußballs mitgemacht - nun kehrte der Steirer zurück in die Bundesliga, die in der kommenden Saison einiges zu bieten haben wird. "Ich erwarte mir einen vor allem im Hinblick auf die Euro 2008 förderlichen Wettbewerb. Die Qualität ist nicht nur in Salzburg da, es gibt mit dem GAK, Rapid, der Austria und auch der Admira genügend Titelkandidaten."

Warum der 31-jährige Ex-Sturm-Graz-Leistungsträger und nunmehrige Neo-Kapitän der Red Bulls dem "Calcio" den Rücken kehrte? "Die Situation im italienischen Fußball ist etwas problematisch, da war Salzburg eine hervorragende Alternative. Das ist ein Großprojekt, bei dem uns absolute Top-Bedingungen geboten werden."

"Ich habe seither gelernt, was es bedeutet, Vollprofi zu sein, wie im Ausland gearbeitet wird. Das war für mich persönlich sehr wertvoll", so der 52-fache ÖFB-Teamspieler, der im Gegensatz zu anderen Heimkehrern beim Teamchef gesetzt ist. Das bitterste Erlebnis in Italien liegt gerade einmal etwas mehr als einen Monat zurück, als Brescia mit einer 0:3-Niederlage in Florenz den Klassenerhalt verpasste. "Das ist die schlimmste Erfahrung, die man als Sportler machen kann."

ALEXANDER MANNINGER (28/Siena - Salzburg): Vor acht Jahren zog es den damals 20-jährigen Manninger ins Ausland, vor allem seine Klasseleistungen im GAK-Tor im Herbst 1996 gegen Inter Mailand (Ersatz für den verletzten Franz Almer) ebneten dem Blondschopf den Weg zu Teams wie Arsenal, Fiorentina, Torino, Bologna oder Siena.

Manninger, der Siena in der Endphase der Meisterschaft mit einigen Sensationsparaden den Klassenerhalt sicherte, erwartet sich einiges von Dietrich Mateschitz' neuem "Wunderteam" ("Es ist schön, von Anfang an dabei zu sein. Hier entsteht eine Riesenmannschaft.") und schielt auch wieder Richtung Nummer eins im Nationalteam - nach seinem Einsatz beim 3:3 gegen Nordirland im Oktober 2004 übernahm Helge Payer das Kommando im ÖFB-Gehäuse: "Salzburg ist ein paar hundert Kilometer näher. Ich glaube schon, dass sich Hans Krankl einige Spiele anschauen wird."

Die Rückkehr zu seinem Stammverein hat jedoch Mitte Juni wenig verheißungsvoll begonnen - beim Aufwärmen zum ersten Testspiel zog sich Manninger eine Handgelenks-Luxation zu. Während seiner noch rund vier Wochen dauernden Abwesenheit wird Heinz Arzberger das Salzburger Tor hüten.

MUHAMMET AKAGÜNDÜZ (27/Konyaspor - SK Rapid Wien): Nach zwei Saisonen in der türkischen "Süper Lig" (Malatyaspor, Konyaspor) ist der gebürtige Türke wieder zurück in seiner neuen Heimat. "Es waren zwei sehr schöne Jahre, den Leuten in der Türkei bedeutet Fußball alles", berichtete Ex-Ried-Goalgetter "Aka", der nach einem sensationellen Einstand bei Malatyaspor im Herbst 2003 vor einem Wechsel zum Topklub Besiktas gestanden war.

In Malatya hatte Akagündüz übrigens mit dem Schriftzug "Hanifi" ("Mein erster Vorname, zu Hause nennen mich alle so") auf dem Trikot auf sich aufmerksam gemacht, so wie in Konya wird nun aber auch in Hütteldorf "Akagündüz" auf seinem Shirt stehen. "Wo Akagündüz drinnen ist, soll auch Akagündüz drauf stehen", so der 27-Jährige, der auch Angebote vom GAK und von der Admira vorliegen hatte. "Aber für mich war nur Rapid ein Thema, da wollte ich schon immer hin, das ist der Klub in Österreich."

Den bis dato letzten ÖFB-Teameinsatz absolvierte er am 20. November 2002 (0:1 gegen Norwegen), das soll sich jedoch angesichts der bevorstehenden Heim-EM rasch ändern. "Auf dieses Ziel arbeitet doch jeder hin, auch ich. Zu diesem Zeitpunkt möchte ich bei einem Topklub spielen, entweder im Ausland oder in Österreich."

THOMAS MANDL (26/FC Basel - Admira): Für die ehemalige Nummer eins Österreichs sollen ab sofort wieder bessere Zeiten anbrechen. Das sportlich wenig erfolgreiche vergangene Jahr beim Schweizer Meister (Nummer zwei hinter dem alt eingesessenen Pascal Zuberbühler) ist abgehakt, der vorangegangene Abschied von der Austria (der ehemalige Fan-Liebling musste Joey Didulica weichen) sowieso.

"Ich will mit guten Leistungen im Admira-Tor zurück ins Nationalteam", hofft der Familienvater aus dem Burgenland (letztes Länderspiel am 18. August 2004: Österreich - Deutschland, 1:3), der kurzfristig den Klassenerhalt mit der Admira ("So schnell wie möglich 40 Punkte erreichen") und langfristig die EM 2008 im Visier hat. Austria - eine Rückkehr nach Wien-Favoriten war laut Mandl nie ein Thema - spielte auch beim Transfer in die Südstadt eine Rolle. "Dass viele Ex-Austrianer zur Admira gewechselt sind, bedeutet mir sehr viel", freut sich Mandl über die Wiedervereinigung mit Kumpels wie Thomas Flögel oder Michael Wagner.

Trotz sportlicher Misere blickt Mandl ohne Zorn zurück nach Basel. "Ich habe sehr viel gelernt und auch eine andere Lebensqualität kennen gelernt. Aber in der Schweiz gehen die Uhren eben anders, da zählt ein Schweizer viel mehr als ein Legionär. Zuberbühler hat einen sehr, sehr guten Kontakt zum Trainer, das habe ich vorher leider nicht gewusst."

ROMAN WALLNER (23/Hannover 96 - Admira): Mit dem erhofften Stammplatz in der deutschen Bundesliga ist es nichts geworden, nach einem Jahr bei Hannover 96 ist Wallner wieder daheim in Österreich. Allerdings nicht bei Rapid, wo er "Enfant terrible", Goalgetter und Publikumsheld in Personalunion war, sondern bei Großeinkäufer Admira. Warum? "Rapid hat sich nicht gemeldet und betteln gehe ich auch nicht."

Jetzt hat der 23-Jährige, bei der EM in drei Jahren im besten Kickeralter, nur noch eines im Sinn: spielen, spielen, spielen. "Noch ein Jahr auf der Ersatzbank wäre tödlich gewesen, in meinem Alter muss man unbedingt spielen." Für die Tatsache, dass er sich in Hannover nicht durchsetzen konnte - Joker-Einsätze waren das Maximum -, will Wallner keinerlei Ausreden suchen. "Es gab viele Gründe, es hat einfach nicht gepasst. Aber das kann dir überall passieren: in Deutschland, England oder Bregenz. Das Wichtigste ist, dass der Trainer hinter dir steht, und zwar zu hundert Prozent."

Unter dem Admira-Trainer-Duo Dominik Thalhammer/Ernst Baumeister soll es nun wieder bergauf gehen. Zum bisher letzten Mal das ÖFB-Teamtrikot hat Wallner so wie Mandl im Sommer 2004 beim 1:3 gegen Deutschland getragen.

GERD WIMMER (28/RW Oberhausen - Admira): In fünf Jahren im Fußball-Schlaraffenland Deutschland (Stationen Eintracht Frankfurt, Hansa Rostock, Rot Weiß Oberhausen) hat Wimmer viel erlebt. "Vor 83.000 Zuschauern in Dortmund oder in der Schalke-Arena spielen zu dürfen ist wunderschön." Nun hat der Mann für die rechte Außenbahn gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin beschlossen, nach Österreich zurückzukehren. "Für uns kam nur der Raum Wien in Frage."

Wimmer, der in den 90er-Jahren bereits Admiraner war, glaubt, dass die T-Mobile-Liga 2005/06 angesichts des belebten Transfermarktes "sehr, sehr stark" wird und ist sich auch sicher, dass die Admira gut abschneiden kann. "Bei all den Neuzugängen muss sich die Mannschaft aber erst einmal finden, das ist ein normaler Prozess. Wir können aber einiges bewegen." Das Thema Nationalteam ist auf Grund eines "Wickels" mit Teamchef Hans Krankl vor rund zwei Jahren auf Eis gelegt. "Sollte kein neuer Trainer kommen, dürfte die Geschichte wohl eher durch sein."

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