Ex-Minister Müller soll Aufsichtsratschef bei der Deutschen Bahn werden

21. Juli 2005, 11:34
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Als Nachfolger von TUI-Chef Frenzes - Derzeitiger Vorstandschef des Energiekonzerns RAG gehört dem Kontrollgremium schon an

Berlin - Der frühere deutsche Wirtschaftsminister Werner Müller soll nach Angaben aus Kreisen des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn neuer Chef des Gremiums werden. "Müller wird die Nachfolge von TUI-Vorstandschef Michael Frenzel antreten", sagte ein mit dem Vorgang Vertrauter aus dem Umfeld des Bahn-Aufsichtsrates am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Unternehmens bestätigte dies. Ein Bahn-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren.

Frenzel will nach einem Streit mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nicht erneut für den Vorsitz kandidieren. Der 59-jährige Müller ist Vorstandschef des Energiekonzerns RAG. Von 1998 bis 2002 gehörte er als Wirtschaftsminister dem Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an. Er ist zurzeit bereits einfaches Mitglied des Bahn-Aufsichtsrats.

Schröders Vertrauter

Die Personalie ist auch vor dem Hintergrund eines möglichen Regierungswechsels von besonderer Bedeutung. Frenzel gilt als Vertrauter von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Daher wurden ihm für den Fall eines Regierungswechsels wenig Chancen auf einen Verbleib im Amt eingeräumt. Müller ist parteilos und gilt zudem auch bei den Gewerkschaften als akzeptabel. Im Umfeld des Aufsichtsrats wurden Hoffnungen geäußert, dass Müller auch für eine Unions-geführte Bundesregierung akzeptabel wäre. Das Gremium der zu 100 Prozent staatseigenen Bahn will am Dienstag den neuen Vorsitzenden wählen.

Frenzel war seit März 2001 Vorsitzender des Aufsichtsrates. Er hatte das Amt auf Bitten Schröders übernommen. Als Grund für das Zerwürfnis zwischen Frenzel und Bahnchef Mehdorn gilt der Verkauf der TUI-Tochter VTG an eine französische Investorengruppe. Die Bahn hatte ebenfalls für die VTG geboten, den größten privaten Vermieter von Kessel- und Eisenbahngüterwaggons in Europa, war aber wegen des niedrigeren Kaufangebotes nicht zum Zug gekommen. Daraufhin hatte die Bahn die TUI-Entscheidung öffentlich kritisiert und kartellrechtliche Bedenken geäußert.

Im Falle eines Regierungswechsels wird die Frage der Trennung von Netz und Betrieb und ein Börsengang von Teilen des Konzerns erneut in den Mittelpunkt rücken. Unions- und FDP-Verkehrsexperten befürworten eine solche Trennung. Bahnchef Mehdorn ist allerdings strikt dagegen. Er ist daher auf einen Aufsichtsratschef angewiesen, der diese Position im Wesentlichen teilt. Die Spitze des Aufsichtsrates und der Bahn-Vorstandschef werden traditionell im Kanzleramt bestimmt. (APA/Reuters)

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