Erste Inskriptionsfristen beginnen

18. Juli 2005, 14:36
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ÖH rät zu früher Inskription, um Zugangs­beschränkungen zu entgehen - derStandard.at/Uni hat bei einigen betroffenen Studien­richtungen nachgefragt

Heute, Montag, beginnen an den ersten Universitäten die Zulassungsfristen für das Wintersemester 2005/06. An der Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien und der Technischen Universität (TU) öffnen die Inskriptionsschalter, die Wirtschaftsuniversität (WU) folgt am Dienstag. Brisanz bekommt dies durch das am Donnerstag fallende Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu den Zugangsbeschränkungen für EU-Studenten an den österreichischen Unis.

Studienplatz sichern

Falls Österreich das Verfahren verliert, plant das Bildungsministerium, bereits am 8. Juli per Gesetz den Unis Platzbeschränkungen in sieben Fächern (Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Biologie, Pharmazie, Psychologie sowie Betriebswirtschaft) zu erlauben. Laut Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) werden vor dem 7. Juli erfolgte Inskriptionen aber nicht für ungültig erklärt. Das heißt, dass eine schnelle Inskription den Studienplatz jedenfalls sichern dürfte.

Med-Uni Wien: Wer zuerst kommt...

Am meisten fürchten sich die österreichischen Medizin-Unis vor dem EuGH-Urteil. Wie die Unis in Graz, Innsbruck und Wien mit der "Bedrohung" umgehen, ist jedoch sehr unterschiedlich. Wie derStandard.at/Uni berichtete, setzt die Med-Uni Wien auf ein "First come, first serve-Prinzip". Nur 1500 Praktikumsplätze stehen für Erstsemestrige im kommenden Wintersemester zur Verfügung. Wer zuerst inskribiert, sichert sich seinen Platz. Wichtig: Nur wer sich vorgemeldet und den Erlagschein mit den Studiengbühren schon eingezahlt hat, darf sich ab heute verbindlich inskribieren.

Graz: Reihung nach Punktesystem

Die Med-Uni Graz geht andere, weit kompliziertere Wege. Mit einem mehrstufigen System will man den Zugang zum Medizinstudium regeln. Im Wintersemester 2005 werden nur 300 Studierende in den zweiten Abschnitt aufgenommen. Nach dem ersten Semester wird ab Jänner 2006 für alle StudentInnen ein Auswahlverfahren verpflichtend sein, bei dem jeweils 100 Plätze vergeben werden. Die Reihung der Studierenden erfolgt nach einem Punktesystem. Die Punktevergabe erfolgt nach drei Kriterien: Einem Eignungstest, der feststellen soll, ob ein Kandidat für das Medizinstudium geeignet ist, einem Multiple Choice Test über den Stoff des ersten Semesters und schließlich den Prüfungsergebnissen des ersten Halbjahres.

Innsbruck: Feuerpolizeiliche Gründe

An der Medizin in Innsbruck wird ab Herbst eine schriftliche Bewerbung nötig sein, um einen der begehrten Studienplätze zu ergattern. Ein Senatsbeschluss sieht vor, dass nur noch 550 Neuanfänger aufgenommen werden. Als "Alibi" für die Beschränkungen wird die feuerpolizeiliche Eignung der Hörsäle benutzt - sie seinen aus Sicherheitsgründen nur für eine bestimmte Anzahl von Studierenden zugelassen. Das Auswahlverfahren soll mehrstufig nach verschiedenen Kriterien erfolgen, genauere Details sind noch nicht bekannt.

WU wartet ab

Der Dienstag ist dann der erste Zulassungs-Tag an der WU. Auch dort ist zuerst eine Vorerfassung nötig. Außerdem werden zunächst alle StudentInnen aufgenommen, ein etwaiges Aussieben ist erst während einer Studieneingangsphase geplant. Benedikt Rettenbacher, Vorsitzender der Hochschülerschaft an der WU: "Es besteht auch seitens der Universität kein Interesse an einem Eingangstest oder einer Selektion". Wenn der Ansturm deutscher Studierender tatsächlich so groß wird, wie befürchtet, erwartet Rettenbacher eine "Selbstselektion in der Studieneingangsphase". Eine Inskription vor dem 7. Juli könne er aber "jedenfalls nur empfehlen".

Biologie unsicher

An der Biologie in Wien ist man unsicher, was die Größe des zu erwartenden Ansturms betrifft. "Wir können es überhaupt nicht abschätzen", erklärt Sabine Prack von der Studienvertretung. Die Situation am Institut sei jetzt schon platzmäßig "unerträglich", Vorlesungen werden per Videoübertragung in mehreren Seminarräumen gesendet, da selbst die größten Hörsäle zu klein sind. "Wir wissen überhaupt nicht wie es weitergeht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Aufnahmsprüfung so kurzfristig eingerichtet wird", so Prack weiter. Sie hoffe jedenfalls, dass die Studierenden von der Möglichkeit Gebrauch machen, "noch vor dem 7. Juli zu inskribieren".

Psychologie an der Grenze

An der Psychologischen Fakultät Wien wartet man ab, wie das Urteil ausfällt. "Wir können sowieso nichts unternehmen, da ist das Rektorat der Universität gefordert", erklärt Studienprogrammleiter Marco Jirasko. Man sei jetzt schon an der Grenze der personellen und räumlichen Kapazitäten. "Wir haben es jetzt gerade geschafft, die Lehrveranstaltungen in vertretbare Bahnen zu lenken, wir werden vielleicht mit 100 Studierenden mehr fertig, aber dann sind die Grenzen erreicht". Wieviele ausländische StudentInnen tatsächlich kommen könnten, ist laut Jirasko unsicher: "Wir haben keine Zahlen, aber es gibt bereits dutzende Anfragen von Interessenten".

Die Universitäten in Innsbruck und Salzburg haben sich noch auf kein Verfahren geeinigt. Sie stehen auch nicht so sehr unter Zeitdruck, da die Inskriptionsfristen erst im August beginnen. (az/APA, 4.7.2005)

  • Die ersten Inskriptions-Fristen laufen.
    foto: der standard/fischer

    Die ersten Inskriptions-Fristen laufen.

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