Krieg ums Wasser mit Spionageflugzeugen

5. Juli 2005, 12:32
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Spanien leidet unter extremer Dürre - Felder verkommen - nur am Luxus-Golfplatz scheint es Wasser im Überfluss zu geben

Spanien leidet nach wie vor unter der extremen Dürre. Zwischen den Regionen Murcia und Kastilien-La Mancha herrscht ein Kampf ums Wasser. Besonderen Unmut erregt die Bewässerung von Golfplätzen, um zahlungskräftige Touristen ins Land zu locken.

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Madrid/Rom - Weite Teile der Iberischen Halbinsel leiden unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. Doch in Murcia im Südosten Spaniens, einer der trockensten Gegenden Europas, hebt sich sattes Grün von der wüstenähnlichen Umgebung ab. Eine Mauer aus künstlichen Felsblöcken trennt die Oase von ausgetrockneten Feldern. Auf der einen Seite nichts als Staub, auf der anderen liegt ein Golfplatz der Luxusklasse.

276 Golfplätze sollen Touristen anlocken

Dort scheint es Wasser im Überfluss zu geben, in der Anlage wurde sogar ein künstlicher See geschaffen. 276 Golfplätze gibt es in Spanien, weitere 150 sind geplant. Sie sollen wohlhabende Touristen anlocken. Denn die 800.000 Golftouristen bringen mehr Geld ins Land als die Pauschalurlauber.

Für einen Golfplatz wird laut der Zeitung El Mundo pro Jahr eine Wassermenge von 370 olympischen Schwimmbecken benötigt. Offiziell werden viele Golfplätze mit Brauchwasser gesprengt. Tatsächlich wird jedoch in den meisten Fällen Wasser aus Flüssen genommen, aus denen auch das Trinkwasser gewonnen wird.

Wasser verweigert

Murcia benötigt Wasser nicht nur für Golfplätze, sondern auch für Orangen-, Pfirsich- und Marillenplantagen. Da der Fluss Segura in der Region nicht genügend hergibt, wird seit 30 Jahren Wasser aus dem Tajo in Mittelspanien in den Segura umgeleitet. Wegen der Dürre weigert sich nun die mittelspanische Region Kastilien-La Mancha, aus "ihrem" Tajo etwas abzugeben. Der Krieg ums Wasser ging so weit, dass Kastilien-La Mancha ein "Spionageflugzeug" einsetzte. Damit fand man heraus, dass Murcia und das angrenzende Alicante über 14.000 "geheime" Wasserspeicher verfügen, von denen man dem übrigen Spanien nichts gesagt hatte.

Trinkwasser

"Wir liefern an Murcia nur noch Wasser, damit die Leute zu trinken haben, aber nicht für die Bewässerung der Felder", erklärte José María Barreda, Ministerpräsident von Kastilien-La Mancha. Sein Amtskollege Ramón Luis Valcarcel in Murcia erwiderte: "Ohne das Wasser aus dem Tajo gehen bei uns die Obstbäume ein. Es würde viele Jahre dauern, neue Pflanzungen anzulegen." Die Zentralregierung in Madrid musste schließlich entscheiden, wie viel Wasser Murcia erhält.

In Spanien wurde bisher der steigende Bedarf dadurch gedeckt, dass neue Stauseen angelegt wurden. Wenn aber die Flüsse austrocknen, helfen auch diese nichts. "Man muss den Wasserpreis drastisch erhöhen", fordert die Zeitung El Pais. Das Wasser in Spanien kostet nur die Hälfte dessen, was man im regenreichen Deutschland dafür bezahlt.

Zu viel Regen in Italien

In Italien sorgen nach wochenlanger Hitze nun Unwetter für Probleme. Besonders betroffen sind Venetien und die Lombardei, wo heftige Gewitter mit Hagel zu Überschwemmungen geführt haben. Der Straßen- und Bahnverkehr war zum Teil erheblich behindert. An manchen Orten sei in kürzester Zeit so viel Wasser vom Himmel gefallen, dass die Ernte in Gefahr sei, hieß es. (dpa, DER TANDARD Printausgabe 4.7.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vertrocknete Felder in Castellon in Spanien

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