"Spiritueller Alpen-Tourismus" statt überholter Sommerfrische

20. Oktober 2006, 10:54
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Experten orten Erneuerungsbedarf vieler Tourismusregionen

Innsbruck - Tourismusdestinationen unterliegen ebenso Lebenszyklen wie andere Produkte und Marken. Unter dieser Prämisse diskutierten am Wochenende internationale Experten in Innsbruck über die "Revitalisierung von Destinationen".

Bei dieser Erneuerung gehe es nicht nur um die bauliche Substanz der touristischen Infrastruktur, sondern auch um inhaltliche Orientierungen und Anpassungen an Lebensstiländerungen, betont Konferenzorganisator Klaus Weiermair vom Zentrum für Tourismus- und Dienstleistungswirtschaft an der Uni Innsbruck.

"Der Tourismus in den Alpen und am Mittelmeer hat vielfach den Sättigungsgrad erreicht", betont Weiermair. Im Alpenraum habe der "Gesundheitstourismus absolut Zukunft" und nennt im gleichen Atemzug alle Formen des "spirituellen Tourismus". Dazu sei es notwendig, gesamte Umfelder zu gestalten, gegebenenfalls auch durch großzügige Abrisse überlebter Infrastrukturen.

"Stadtakupunktur"

An diesem Punkt bringt sich Maria Schneider, Architektin und Professorin am Institut für Städtebau der Uni Innsbruck ein und regt an, Architekten in Revitalisierungsprozesse von Anfang an einzubinden. Sie verweist auf gelungene Beispiele der "Stadtakupunktur" wie das Guggenheimmuseum in Bilbao.

In der zuvor touristisch völlig uninteressanten Stadt sei nun ein dynamischer Kreislauf durch die Gäste aus aller Welt (und deren Geld) entstanden. Auch die Bergisel-Schanze von Zaha Hadid in Innsbruck könnte eine ähnliche Wirkung auslösen, allerdings werde die Schanze in Innsbruck ganz schlecht vermarktet.

"Atmosphäre, die zum Bummeln und Shopping einlädt"

Beim Städtetourismus ist laut Weiermair zu beachten, dass nicht mehr kulturelle Einrichtungen im engeren Sinn Gäste anlocken, was zähle, "das ist Atmosphäre, die zum Bummeln und Shopping einlädt". Zeitgleich mit der Konferenz formulierte Arthur Oberascher, Chef der Österreichwerbung, seine Sorge um die Tourismusdestination Europa.

Der Tourismusmarkt werde sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln, profitieren werde davon aber vor allem Asien und der pazifische Raum. Jüngste Prognosen sehen den Anteil Europas bei den Ankünften von derzeit 58 Prozent bis 2020 auf 46 Prozent zurückfallen. Es gebe erste Ansätze zu einer europäischen Dachmarke und immerhin schon ein gemeinsames Logo.

TourismusManagerAustria05

Gemeinsam mit dem Management-Center-Innsbruck/ MCI (Träger des Fachhochschulganges für Tourismus-und Freizeitwirtschaft) und dem Verlag Ablinger.Garber hat die Österreichwerbung ein bemerkenswertes Handbuch unter dem Titel "TourismusManagerAustria05" herausgegeben

Neben einer Fülle an statistischem Material, über 1000 tourismusrelevanter Adressen, enthält das 500 Seiten starke Buch auch pointierte Texte zu Trends im Tourismus und Managementwissen. (hs, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.07.2005)

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