Siemens-Masterplan für VA-Tech-Integration steht

12. Juli 2005, 15:28
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Nur ElinEBG und AI Informatics ressortieren bei den Österreichern, der (große) Rest wird vom Stammhaus in Erlangen aus gesteuert

Wien - Der Aufsichtsrat der Siemens AG Österreich hat in seiner zweitägigen Sitzung in Weimar nicht nur Brigitte Ederer als Generaldirektorin designiert, sondern auch die Grobstruktur für die Übernahme der VA Tech festgelegt.

Demnach wird den österreichischen Siemensianern operativ nur der Bereich Infrastruktur zugeschlagen, also ElinEBG und deren IT-Schwester AI Informatics (AII), Energietechnik (T&D), und Industrieanlagenbau (VAI, Linz) hingegen werden künftig vom Stammhaus in Erlangen aus gesteuert, wobei die mit historisch hohem Auftragsstand ausgestattete VAI den Österreichern offiziell als "Kompetenzzentrum" erhalten bleibt, erfuhr DER STANDARD aus Aufsichtsratskreisen.

Die Division "Hydro", also Wasser- und Gaskombi-Kraftwerksbau sowie die Turbogeneratorenfertigung für General Electric, wird verkauft, und zwar binnen acht Monaten und möglichst als Gesamtpaket - DER STANDARD berichtete.

Bereinigungsschritte

Die Übernahme von Elin-EBG und AII mache Bereinigungsschritte notwendig, insbesondere bei der AII, sagte ein Siemens-Kapitalvertreter zum STANDARD. Denn AII habe ein starkes Deutschland-Geschäft, das in der jetzigen Form sicher nicht erhalten bleibe und auch nicht zu Siemens Österreich ressortieren werde; selbiges gelte für die AII-Aktivitäten in Polen. Die Doppelgleisigkeiten in Bulgarien müssen die Österreicher selbst beseitigen.

Stirnrunzeln und Sorgenfalten verursacht indes die Division Energieübertragung und -verteilung (T&D, 1,1 Milliarden Euro Umsatz, 5430 Mitarbeiter). Diese werde "sicher auch von Erlangen aus geführt", wobei die Österreicher wegen der Transformatorenfertigung in Linz und Weiz wohl stark eingebunden seien, sagt der Siemens-Rat.

In diesem Segment müssen sich Linz und Weiz mit dem Trafo-Werk in Nürnberg matchen, wobei die Weizer Großtrafos bei Produktivität und Lohnkosten besser abschneiden als die deutschen Produkte.

Sonderfall Weiz

Weiz beschäftigt Verkäufer Siemens übrigens sehr intensiv, denn das ehemalige Elin-Werk ist schon deshalb ein Sonderfall, weil dort T&D Transformatoren und Hydro Wasserkraftgeneratoren produziert. Die Halle mit den Zwei-Tonnen-Kränen teilen sich T&D und Hydro schwesterlich.

Die Liegenschaft selbst ist eines von wenigen Grundstücken, die noch nicht verkauft und zurückgeleast wurden - es gehört der VA Tech Hydro. Wer immer also diese kauft - im Gespräch sind ein Konsortium aus Cross-Holding, UIAG mit der Galionsfigur Herbert Paierl, und Mirko Kovats - er wird Siemens-Anlagen mitbenützen. Geteilt werden muss auch die Automationstochter SAT.

Bedingte EU-Genehmigung

Die für 13. Juli erwartete bedingte Genehmigung des Deals durch die EU-Fusionskontrolle wird folgendermaßen skizziert: Die Wettbewerbskommission bestellt sofort einen (von Siemens vorgeschlagenen) Treuhänder für das Wasserkraftgeschäft.

Er soll sicherstellen, dass der Elektromulti bis zum Verkauf keinen Einfluss mehr darauf nimmt - und alles mit rechten Dingen zugeht. Klappt der Verkauf binnen acht Monaten nicht, wird für die VA-Tech-Wasserkraft ein kommissarischer Verwalter bestellt.

Um zu verhindern, dass ein Scheinverkauf stattfindet oder dem Käufer aufgrund von Haftungen und Garantien im Volumen von 1,8 Milliarden Euro bald die Luft ausgeht, prüft die EU auch die Finanzkraft des Käufers und die Transaktionsverträge. Denn mit einer Pleite wäre ein Wettbewerber aus dem Markt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.07.2005)

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