STANDARD-Interview: Labor für schnelle Reaktionen

11. Juli 2005, 10:53
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Seit 1. Juli ist Laurenz Niel neuer Generalsekretär der Doppler-Gesellschaft. Wie er sich die Zukunft der Doppler-Labors, die an Unis anwendungsorientierte Grundlagenforschung betreiben, vorstellt und warum für ihn Förderprogramme bisher nicht immer ideal abliefen, erzählte er Peter Illetschko

STANDARD: Was macht Sie zu einer idealen Besetzung für den Generalsekretär der Doppler-Gesellschaft?

Niel: Die Position des Generalsekretärs ist die eines Dienstleisters - vor allem einmal für die Forscher selbst. Da ich deren Lebenswelt aus eigener Erfahrung kenne, ich bin ja gelernter Physiker, ist das sicher von Vorteil. Und es ist sicher auch gegenüber der Forschungspolitik gut, dass es da jemanden gibt, der erklären kann, was das Besondere an Forschung ist. Durch meine langjährige Arbeit im Wissenschaftsfonds kenne ich die österreichische Wissenschaftslandschaft und die Forschungsförderungsszene.

STANDARD: Haben Sie eine Strategie, wie Sie agieren wollen?

Niel: Wichtig ist in allen Richtungen, ein Vertrauensverhältnis zu haben. Zunächst einmal zu den Forschern. Dann zu den Firmen. Die Doppler-Gesellschaft ist ja ein Verein, der von der Industrie getragen wird. Die dritte Richtung geht zum strategischen Partner öffentliche Hand. Es gibt dieses Vertrauensverhältnis - und ich es muss nur mit meiner Person rechtfertigen.

STANDARD: Und wenn Sie das Vertrauensverhältnis ausbauen, könnte die Doppler-Gesellschaft dann wachsen?

Niel: Es ist sicher das Potenzial da für ein weiteres Wachstum, sowohl von Firmenseite als auch von Forscherseite. Wenn ich daran denke: An der Universität Wien, der mit Abstand größten Uni Österreichs, gibt es derzeit nur ein Labor. Da haben wir Potenzial und sicher auch Nachholbedarf. Wir haben auch begonnen, Labors im Ausland zu eröffnen. Damit wollen wir weitermachen.

STANDARD: Das heißt, es wird mehr Doppler-Labors geben, und das in einer Zeit, da über die Zusammenlegung von Forschungszentren nachgedacht wird. Sie haben keine Sorge, dass die heimische Forschungslandschaft unübersichtlicher wird?

Niel: Den Firmen ist klar, dass das Doppler-Modell eines ist, das mit wenig Aufwand verbunden ist. Es müssen keine neuen Institutionen gegründet werden, da die Labors an den Universitäten eingerichtet werden. Der spezielle Charakter der Labors besteht darin, dass sie thematisch für die Bedürfnisse der jeweiligen Partnerunternehmen und für die Person des Laborleiters maßgeschneidert sind. Man kann ein Team aufbauen und schnell auf neue Entwicklungen reagieren. Und es gibt nach den sieben Jahren Laufzeit keine Verlängerung bei uns. Wir haben also kein Problem mit der Gestaltung der Zukunft. Ganz im Gegensatz zu den Kompetenzzentren, die eine eigene Institution wurden und nach maximal sieben Jahren geplanter Unterstützung seitens der öffentlichen Hand nicht genau wissen, wie es weitergehen soll.

STANDARD: Können Sie sich vorstellen, dass Doppler-Labors künftig in ein Exzellenz-Center mit Kompetenzzentren eingegliedert werden?

Niel: Warum nicht? Es kann sinnvoll sein, dass in manchen neuen Einheiten auch Doppler-Labors mit dabei sind. In der Regel wird aber die Flexibilität und der jeweilige Bedarf der Wirtschaft den Ausschlag für selbstständige Labors geben.

STANDARD: Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden die nächsten Labors haben?

Niel: Wir hoffen, dass es bald das erste Labor im Bankenwesen gibt. Etwas, woran ich früher im Zusammenhang mit der Doppler-Gesellschaft gar nicht gedacht habe, ist Risikomanagement. Der Dienstleistungssektor generell ist noch relativ schwach repräsentiert. Den Biotechnologie-Bereich gibt es bereits, aber da gibt es noch mehr Potenzial. Wir haben aufgrund der flexiblen Struktur den Vorteil, jederzeit zu einem Themenbereich, der gerade spannend ist, ein Labor gründen zu können.

STANDARD: Sie müssen aber die Ressourcen an den Universitäten nützen. Und die sind nicht üppig.

Niel: Natürlich wird hier der Rotstift angesetzt, allerdings gab es zuletzt auch mehr Anträge, ein Labor zu gründen als je zuvor.

STANDARD: Vielleicht, weil man gezwungen ist, Drittmittel zu lukrieren?

Niel: Natürlich ist das eine Notwendigkeit an den Universitäten geworden. Die Unis müssen aber auch eigene Ressourcen bereitstellen, das Gehalt des Laborleiters, Infrastruktur usw. Sie müssen Budgetmittel binden.

STANDARD: Sie sagen, dass seitens der Firmen großes Interesse besteht. Kann ich mich als Unternehmer noch zurechtfinden in der Forschungslandschaft? Da gibt es Kompetenzzentren-Programme, Doppler-Labors und dann noch einzelne Förderprogramme. Wird das untereinander ideal abgestimmt?

Niel: Nicht immer. Das hängt auch mit der Zersplitterung der Agenden auf Wissenschafts-, Infrastruktur- und Wirtschaftsministerium und einem starken Ressort im Hintergrund, dem Finanzministerium, zusammen. Aber ich habe den Eindruck, dass es sich verbessert, und ich will bei diesem Prozess mitarbeiten.

STANDARD: Was konkret meinen Sie mit nicht ideal gelaufen?

Niel: Es wurde eine Vielzahl von Programmen ins Leben gerufen, die zum Teil mit bestehenden Programmen Überschneidungen haben. Außerdem sollte man weggehen vom Streuprinzip, das in manchen Fördereinrichtungen noch üblich ist, und mehr Konkurrenz ermöglichen, wirkliche Qualitätskriterien einführen. Wenn hier mehr Wettbewerb entsteht, wird die Qualität der Forschung gefördert und auch steigen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. 7. 2005)

  • Artikelbild
    foto: standard/matthias cremer
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