Usability-Beratung wie die Feuerwehr

11. Juli 2005, 11:30
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Methoden, die unter Zeitdruck funktionieren

Softwareentwickler stehen unter Dauerdruck. Immer schneller sollen ihre Lösungen benützerfreundlich parat stehen - egal ob für PC oder mobiles Endgerät. Fast zwangsläufig stellen auch Usability-Consultants ihre Arbeitsprozesse um, weil sie kurzfristig zurate gezogen werden und die Ergebnisse - wenn geht - schon gestern abliefern sollten. Für einen klassischen Usability-Test, der drei bis vier Wochen dauert, ist da keine Zeit.

Das Beratungsunternehmen Usecon in Wien Simmering zum Beispiel versucht schon seit einiger Zeit so flexibel wie möglich auf die Wünsche ihrer Kunden einzugehen und hat auf Basis der wissenschaftlichen Untersuchungen des kooperierenden Usability-Forschungszentrums Cure Methoden im Angebot, die auf die geänderte Marktsituation eingehen. "Abgeschlankte Usability-Methoden, die einen Expertenkommentar in ein bis zwei Tagen, manchmal sogar auch in wenigen Stunden, ermöglichen", wie Peter Messner von Usecon sagt: der Quick-Test zum Beispiel. Hier werden fünf bis sechs User aus der Zielgruppe intensiv mit einer Aufgabenstellung konfrontiert, die sich aus konkreten Fragen ergibt, die der Auftraggeber hat. "Meist sind es Entweder-Oder-Fragen. Zum Beispiel: Ist es besser, die Navigation der Website oben oder seitlich zu platzieren." Das Ergebnis sollte in zwei Tagen vorliegen.

Der Quick-Check, wie der Quick-Test eine qualitätssichernde Maßnahme, wird noch schneller abgeschlossen. Nach einem vorgegebenen Richtlinienkatalog wird geprüft, ob das auf Benutzbarkeit zu untersuchende Produkt Kriterien entspricht, die man auf Basis der Usability-Forschung festgelegt hat.

Während die Usability-Consultants bei Quick-Check und Quick-Test wie eine präventiv löschende Feuerwehr agieren, und nicht von Anfang an in das Projekt involviert wurden, ist das bei Just-in-Time Usability Engineering anders: Dem Kunden wird ein Stundenkontingent verkauft, das er je nach Bedarf während der Produktentwicklung aufbrauchen kann. Wenn er etwa kurz vor der Präsentation steht und noch Zweifel hat, dann kann er anrufen, "und wir können relativ schnell und flexible reagieren", so Messner. Sein Fazit? "Effiziente Usability-Methoden werden eine wesentliche Entscheidungshilfe im täglichen Entwicklungsablauf und vermeiden unnötige Kreisläufe wenn es um User-Interface-Fragen geht." (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. 7. 2005)

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