Folterungen mit Bohrmaschine

6. Juli 2005, 16:08
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Britische Zeitung schildert schwere Misshandlungen durch Polizei und Netz geheimer Lager - Iraks Regierung bestätigt

London - Nach Berichten über grausame Misshandlungen von Häftlingen in irakischem Polizeigewahrsam hat die britische Regierung vom Irak Aufklärung gefordert. Ein Sprecher des Außenministeriums in London sagte am Sonntag, seine Regierung sei "zutiefst besorgt" über die Informationen. "Jeder Missbrauch von Häftlingen ist nicht hinnehmbar." Die britische Tageszeitung "Observer" hatte zuvor von Folterungen Verdächtiger durch irakische Sicherheitskräfte berichtet; sie habe fotografische Belege aus Obduktionen und Krankenhausunterlagen, die dies belegten, schrieb die Zeitung. Dokumentiert seien unter anderem Verbrennungen, Strangulierungen, sexueller Missbrauch, das Aufhängen von Menschen an den Armen sowie Knochenbrüche. In einem Fall sei ein Gefangener mit einer elektrischen Bohrmaschine misshandelt worden.

Netz geheimer Haftlager im Irak

Wie der "Observer" weiter berichtete, seien britische Hilfsgelder, die eigentlich für den Aufbau des irakischen Polizeiapparats bestimmt gewesen seien, an irakische Geheimkommandos geflossen; diese stünden unter dem Verdacht schwerer Menschenrechtsverletzungen wie etwa Folter und außergerichtliche Hinrichtungen. Im Irak gebe es ein Netz geheimer Haftlager, die sich der Kontrolle durch Menschenrechtsorganisationen entzögen.

Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums sagte, die Vorwürfe seien der Regierung bekannt und bereits "auf höchster Ebene" mit irakischen Amtsträgern erörtert worden. "Wir erwarten von diesen, dass sie die Missbrauchsvorwürfe umgehend untersuchen, die Verdächtigen verfolgen und die Schuldigen unabhängig von ihrer Stellung bestrafen", sagte der Sprecher. Nach Angaben des Ministeriums hat Großbritannien dem Irak bislang 27 Millionen Pfund (39,8 Mio. Euro) zum Aufbau der Sicherheitskräfte zur Verfügung gestellt.

Regierung bestätigt Folterungen

Die irakische Regierung hat am Sonntag eingestanden, dass die Sicherheitskräfte im Kampf gegen sunnitische Aufständische zum Teil Foltermethoden wie unter dem gestürzten Präsidenten Saddam Hussein anwenden. "Diese Dinge passieren. Wir wissen das", sagte ein Regierungssprecher. Er bestätigte damit wiederholte Berichte über regelwidrige Festnahmen und Gewalt gegen Festgenommene von Seiten der irakischen Polizei.

Die Regierung billige dieses Verhalten nicht und ginge das Problem an, sagte der Sprecher. Polizei und Truppen würden geschult, Menschenrechte zu respektieren. Der Sprecher machte vor allem die Brutalisierung der Gesellschaft unter Saddam Hussein für die Vorgehensweise der Sicherheitskräfte verantwortlich.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte vor einem halben Jahr von einem "routinierten Missbrauch" durch die irakischen Kräfte gesprochen. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien äußerten Besorgnis. (APA)

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    Irakische Polizisten bei der Vernehmung zweier Verdächtiger in Najaf. Die Polizei soll mehrere geheime Haftlager betreiben, die für Hilfsorganisationen unzugänglich sind.

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