Nach Emig-Verhaftung: Korruptionsverdacht angeblich gegen weitere ARD-Sender

4. Juli 2005, 14:42
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Laut "Focus" laufen Ermittlungen - Früherer Sportchef des Hessischen Rundfunk soll schon 1992 von Handball-Meister Geld gefordert haben

Nach der Verhaftung des unter Korruptionsverdachts stehenden früheren Sportchefs des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, stehen nach Informationen des "Focus" weitere Sender der ARD im Visier der Staatsanwaltschaft. Ermittlungen gegen Mitarbeiter anderer Anstalten liefen bereits, berichtete das Münchner Nachrichtenmagazin am Samstag vorab.

Der "Spiegel" berichtete, dass die Frankfurter Staatsanwälte auch Hinweise auf Geschäfte Emigs mit anderen ARD-Anstalten gefunden hätten. So habe die Agentur SMP seines Partners Harald Frahm, der auch Präsident des deutschen Tanzsportverbandes ist, zwei Aufträge des MDR erhalten. Im Jahr 2003 habe sie für die Radsportveranstaltung "Friedensfahrt" 360.000 Euro und im vorigen Jahr für das Tanzturnier "ARD-Masters" 54.000 Euro erhalten. MDR-Sprecher Eric Markuse sagte dem Bericht zufolge, in beiden Fällen handle es sich um "geprüfte, marktübliche und saubere Geschäfte".

"Kostenbeteiligung"

Nach Informationen des "Spiegels" soll Emig, der 1987 Sportchef des HR wurde, bereits 1992 vom damaligen Handball-Meister SG Wallau-Massenheim 10.000 Mark Kostenbeteiligung pro gezeigtes Spiel gefordert haben. Doch der Verein habe nicht gezahlt, und die Berichterstattung sei auf ein Minimum reduziert worden, zitiert das Blatt den früheren Vereinsmanager Bodo Ströhmann.

Gegen Emig wird wegen Verdachts von wettbewerbsbeschränkenden Absprachen bei Ausschreibungen, Bestechlichkeit, Betrug und Untreue ermittelt. Er wurde am vergangenen Dienstag festgenommen und kam wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Er soll von Sportveranstaltern Geld als Gegenleistung für die Fernsehberichterstattung des HR angenommen haben.

Sponsorenverträge

Beim Radrennen um den Henninger Turm durfte die Agentur seiner Frau Killinger Production nach "Spiegel"-Informationen lukrative Sponsorenverträge vermitteln. Sponsoren hätten Emig sogar kurze Moderationen von Pressekonferenzen zeitweise üppig extra vergütet. Ende der 90er Jahre habe Killinger Production einen Auftrag der Telekom zur Produktion eines Trailers der Tour erhalten.

Zur Agentur von Emigs Partner Frahm zitiert das Blatt Kurt Denk, den Organisator des Frankfurter Ironman-Triathlons: "Die SMP wurde uns immer als offizieller Vertreter des HR vorgestellt." Ähnlich wie regionale Marathon- und Football-Veranstalter habe Denk vertraglich festgelegte Produktionskostenzuschüsse leisten müssen, und zwar rund 70.000 Euro pro Veranstaltung. Doch das, was er an SMP gezahlt habe, weiß Denk aus dem Kreis der Ermittler, sei "in der Höhe nie beim HR angekommen", berichtete der "Spiegel". (APA/dpa?

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