UN-Botschafter wirft US-Armee Mord an Verwandten vor

5. Juli 2005, 14:54
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Samir Sumaidaie: 21-Jähriger bei Razzia kaltblütig erschossen

New York - Der irakische UN-Botschafter, Samir Sumaidaie, hat der US-Armee vorgeworfen, einen 21-jährigen Verwandten bei einer Razzia im Westirak kaltblütig erschossen zu haben.

Sumaidaie, meint, der "kaltblütige Mord" an seinem Cousin Mohammed werde "erhebliche" Auswirkungen auf den Einsatz zum Wiederaufbau des Landes haben. Mohammeds Tod hat nach Worten des irakischen Botschafters "die ganze Gemeinde in Schock und Wut versetzt. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass ein "unbewaffneter unschuldiger Zivilist umgebracht wurde - ein kaltblütiger Mord".

Die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Anne Patterson, hat Sumaidaie nach Angaben des Sprechers inzwischen ihr Mitgefühl ausgesprochen und das US-Außenministerium sowie das US-Verteidigungsministerium informiert.

Sumaidaie verlangt nach einer glaubwürdigen Untersuchung des "schweren Verbrechens" und wirft den USA vor, ausgerechnet jene Werte verletzt zu haben, die sie im Irak durchzusetzen versprechen: Achtung vor dem Leben und dem Gesetz.

Bei einer Durchsuchung des Wohnhauses der Familie in Al-Scheich Hadid am 25. Juni hätten US-Marineinfanteristen den Sohn seines Cousins ersten Grades erschossen, sagte Sumaidaie am Freitag. "Alle Hinweise deuten auf die Tötung eines unbewaffneten, unschuldigen Zivilisten hin - ein kaltblütiger Mord", sagte er.

In einer Mitteilung des US-Militärs hieß es, die Vorwürfe des Botschafters "decken sich grob mit einem Vorfall, bei dem Koalitionskräfte an jenem Tag in der Gegend beteiligt waren." Die Vorwürfe würden ernst genommen und der Vorfall genau untersucht, erklärte Generalmajor Stephen T. Johnson.

Sumaidaie zufolge hatten Aufständische aus einer anderen Gegend an dem Tag Granaten auf den US-Militärstützpunkt Haditha Dam in der Nähe von Al-Scheich Hadid geworfen. US-Soldaten hätten daraufhin in dem Dorf Jugendliche zu dem Vorfall befragt. Marineinfanteristen hätten später an der Tür des Wohnhauses seiner Verwandten geklopft und nach Waffen im Haus gefragt.

Die Familie des Getöteten habe diesen zuletzt lebend gesehen, als er in ein anderes Zimmer gegangen sei, um eine nicht geladene Waffe zu holen. Als die Soldaten das Haus etwa eine Stunde später verlassen hätten, sagte der Übersetzer der Soldaten der Mutter, ihr Sohn sei erschossen worden. Die Familie habe ihren Sohn daraufhin mit einer Kugel im Nacken tot aufgefunden. "Die Soldaten haben sich angelächelt, als sie gingen", sagte Sumaidaie. (aPA/Reuters)

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