2./3.7.: Live 8 und das Weltbild von Sir Bob

5. Juli 2005, 15:27
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Von Horst Watzl, "Kulturen in Bewegung"/ Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit

Zweifelsfrei sind die Absichten von Bob Geldof ehrenhaft. Sein globales Live 8 fordert Schuldenstreichung und den verstärkten Kampf gegen Hunger und Unterdrückung in Afrika. Zudem geht es diesmal nicht ums Spendensammeln sondern darum, Druck auf die reichsten Länder dieser Welt (G 8) auszuüben, die seiner Ansicht nach für die Armut im Süden verantwortlich sind. So weit, so gut.

Geldof bringt das Who's who der Popmusik auf die Bühnen. Ein Blick auf die Besetzungslisten offenbart allerdings seinen äußerst mangelhaft ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Außer Youssou N'Dour, der in Paris auftritt, findet sich kein einziger afrikanischer Musiker unter den Popgrößen der westlichen Welt. Damon Albarn von Blur und Peter Gabriel, beide seit Jahren eng mit afrikanischen Musikerinnen und Musikern verbunden, sahen sich daraufhin auch veranlasst, mit dem Eden-Project ein rein afrikanisches Festival in England aufzuziehen, und auch das erst in letzter Minute fixierte Konzert in Johannesburg ist ausschließlich afrikanisch besetzt.

Geldof dagegen hat die Chance, der künstlerischen Zusammenarbeit und dem musikalischen Austausch mit dem afrikanischen Kontinent und seinen Talenten ein weltweites Forum zu schaffen, vergeben und bestätigt mit seinem Live-8-Programm somit bewusst oder unbewusst das Nord-Süd-Gefälle, das er zu bekämpfen vorgibt.

Afrika hat in den letzten Jahren zahlreiche hervorragende Musikerinnen und Musiker hervorgebracht. Oumou Sangare, Baaba Maal, Rokia Traoré, Miriam Makeba, Salif Keita, Mory Kante, Manu Dibango, Ladysmith Black Mambazo, Cesaria Evora, Khaled und viele andere afrikanische Trendsetter sind von dieser weltweiten Show ausgeschlossen oder agieren als separierte Feigenblätter.

Wie viele Jahre werden noch ins Land ziehen müssen, bis die westliche Pop-Industrie ihren Ideenstiftern im Süden jenen Respekt zollt, der ihnen zusteht?
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.7.2005)

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