Ideologiefall Kindergarten

1. Juli 2005, 20:47
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In den Kindergärten hat sich punkto Öffnungszeiten wenig ändert - und die vorgestrigen Regeln bleiben, meint Eva Linsinger

Satte sechs Wochen Urlaub sind es in Vorarlberg, fünf Wochen im österreichischen Durchschnitt: So lange machen Kindergärten im Sommer dicht. Schön für die Kindergärtnerinnen und Kindergärtner, die ausgiebige Ferien genießen. Weniger schön für die Eltern, deren Urlaubsanspruch mit dem der Kindergärtnerinnen nicht Schritt halten kann. Gibt es doch neben den Sommer- noch die Weihnachts- und die Osterferien - denen die viel weniger großzügigen fünf Wochen Jahresurlaub der Eltern gegenüberstehen. Im Burgenland etwa haben exakt 0,5 Prozent der Kindergärten ganzjährig geöffnet. Noch Fragen, warum Beruf und Familie so schwer zu vereinbaren sind?

Lebensrealitäten

Die Lebensrealität des KindergärtnerInnen- Dienstrechts ist vorgestrig. Und stammt aus einer Zeit, als berufstätige Mütter die Ausnahme waren - und geschlossene Kindergartentore kein Betreuungsdilemma auslösten, weil Mama eh zu Hause war. Es wäre höchste Zeit, die Kindergärten der Lebensrealität der Eltern des Jahres 2005 anzupassen - und lange Sommerpausen genauso zu beenden wie Halbzeit-Kindergärten, die zu Mittag schließen.

Ideologiefalle

Die politischen Diskussionen über die Kindergarten-Öffnungszeiten verfingen sich aber sofort im Ideologiestreit und machen wenig Hoffnung auf Lösungen. ÖVP und BZÖ erklärten sich für nicht zuständig, weil Kindergärten Ländersache sind - ganz so, als ob es keine schwarzen oder orangen Landeshauptleute gäbe. Und die SPÖ wetterte gegen den Vorschlag, Kinderbetreuung von der Steuer absetzen zu können - und verschwieg dabei, dass natürlich Steuerberatungskosten von der Steuer absetzbar sind. In dieser Ideologiefalle der gegenseitigen Vorwürfe stecken die Parteien schon seit Jahren. Mit eben dem Ergebnis, dass sich bei Kindergärten wenig ändert - und die vorgestrigen Regeln bleiben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2005)

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