Silber, Blei und der beste Ötscher-Blick

    7. Juli 2005, 09:23
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    Die Brandmauer: Ein Berg­wander­geheim­tipp in den nieder­öster­reichischen Vor­alpen

    Der Bergbau spielte in den niederösterreichischen Voralpen einst eine große Rolle und hinterließ in vielen Gegenden seine Spuren. So auch auf der Brandmauer bei Puchenstuben, wo man Silber und Bleiglanz abbaute. Sogar Gold soll es dort einmal gegeben haben, denn im Volksmund heißt es, die Brandmauer habe einen Kopf aus Blei, einen Leib aus Silber und Füße aus Gold. Die Lagerstätten erwiesen sich als wenig ergiebig, die Tätigkeit der Knappen endete schon vor mehr als hundert Jahren.

    Hie und da verschlägt es heute noch ein paar Mineraliensucher auf den Berg, die auf den alten Halden nach Bleiglanzkristallen suchen. Das Betreten des alten, halb verfallenen Stollen in der Silbergrube wäre aber lebensgefährlich.

    Unter den Bergwanderern gilt die Brandmauer als Geheimtipp, denn von einem westlich des höchsten Punktes gelegenen Vorgipfel hat man einen Traumblick zum Ötscher. Die durch einen Kahlschlag völlig freie Erhebung wird mitunter - und völlig zu Recht - als der schönste Rastplatz im Ötscherland bezeichnet, zumal man auch gute Sicht zum Dürrenstein, zur Veitsch und zur Stumpfmauer hat. Eine herrliche Blumenwelt erhöht noch die Freude an der Wanderung.

    Allerdings, auf die Brandmauer führt keine Markierung und auch kein ausgetretener Pfad. Der Gipfel, der seit einiger Zeit ein kleines Kreuz trägt, lässt sich nur auf Steigspuren erreichen. Trittsicherheit und gutes Orientierungsvermögen sind daher Voraussetzung für diese Tour, und die Bundesamtskarte sollte man auch nicht vergessen.

    Die Route: Von Puchenstuben wandert man auf der Straße Richtung Wastl am Wald, gleich nach der ersten Linkskehre - die rote Markierung nicht beachten! - hält man sich rechts auf einen als Mountainbike-Strecke ausgeschilderten Fahrweg, der zum Turmkogelhaus neben der Bergstation des Skilifts führt. Die Gehzeit beträgt eine Dreiviertelstunde.

    Nun folgt man der Trasse der Langlaufloipe Richtung Silbergrube. Anfangs fast flach, dann in Serpentinen geht es zur Höhe. Wo der Forstweg wieder leicht bergab führt - bei der Silbergrube mit deutlich sichtbarer Halde - hält man sich links und steigt zum Kamm auf. Diesem auf Steigspuren folgend erreicht man den Gipfel. Gehzeit ab Turmkogelhaus 1¼ Stunden. In einer weiteren Viertelstunde gelangt man dann im Abstieg in ein grabenähnliches Hochtal und zum westlichen Vorgipfel.

    Nun geht es zurück in das Hochtal; folgt man diesem nach Osten, erreicht man bald einen schlechten Fahrweg, der wieder zur Langlauftrasse führt. Dieser folgt man bis zum Turmkogelhaus und kehrt auf der Anstiegsroute nach Puchenstuben zurück. Gehzeit ab Brandmauer 1½ Stunden. (Der Standard, Printausgabe 2./3.7.2005)

    Von Bernd Orfer

    Gesamtgehzeit 3¾ Stunden, Höhendifferenz rund 500 m. Kein Stützpunkt auf der ganzen Runde. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 72 (Mariazell)
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      grafik: der standard
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