Bittere Pillen

2. Juli 2005, 16:00
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Auch Tiere können chronisch krank werden

    Die Pharmakonzerne nehmen aber bei Preisgestaltung und Packungsgrößen darauf längst nicht immer Rücksicht, weiß Andrea Dee.

Leonie ist herzkrank, und im Sommer, wenn es heiß und schwül ist, spürt sie das - wie wir Menschen auch - besonders stark. Leonie ist erst sechs; auch bei Katzen tritt Herzinsuffizienz in der Regel erst in hohem Alter auf - bei Leonie haben möglicherweise genetische Faktoren dazu geführt. Vielleicht hat aber auch ein Virus jene Herzmuskelentzündung hervorgerufen, die nun bewirkt, dass die Herzklappen nicht mehr richtig schließen.

Entwässerung

Eine halbe Tablette Fortekor schluckt Leonie pro Tag. Dazu kommt das Herzasthma: Säugetiere stehen auf vier Beinen, ihr Körper ist waagrecht, dadurch sammelt sich viel schneller als beim aufrecht gehenden Menschen Wasser in der Lunge. Auch zur Entwässerung bekommt Leonie deshalb zweimal täglich ein Medikament, für die Lungenfunktion, außerdem einen Schleimlöser und Solosin-Asthmatropfen zur Erweiterung der Bronchien.

"So viel Chemie für eine Katze?", könnten auch durchaus tierfreundliche, kritische Geister anmerken. Wäre es nicht humaner, das Tier einzuschläfern? Nun, wenn Leonie ihre Medikamente regelmäßig bekommt, geht es ihr hervorragend. Sie hat Appetit, schätzt ein kleines Spielchen und zeigt mit geradezu rührender Zärtlichkeit, dass es ihr bei ihren Menschen gefällt.

Die haben es dennoch nicht leicht: Die Asthmatropfen müssen aus Deutschland importiert werden, weil es hier zu Lande kein Medikament gibt, das für Katzen ebenso gut zu dosieren wäre. Früher waren sie auch in Österreich zugelassen und damit auf dem Markt, aus unerklärlichen Gründen - der Gesetzgeber wird sich etwas gedacht haben - müssen sie nun privat über die internationale Apotheke importiert werden. Das macht Stress, daran muss immer rechtzeitig gedacht werden.

Packung

Das Herzmedikament wiederum gibt es nur zu 20 Stück - nicht einmal eineinhalb Monate reicht eine Packung, und sie kostet über 17 Euro. Nur chronisch kranke Tiere (auch Hunde) bekommen Fortekor, es ist kein Medikament für punktuelle Krankheitsereignisse, in der Regel muss es über Jahre verabreicht werden - was den Tierhalter freut, denn dann ist sein Tier am Leben.

Schade ist, dass die Pharmaindustrie diesen Umstand nicht berücksichtigt: Nicht wenige Hunde und Katzen brauchen Fortekor - der Beweis dafür ist, dass es nahezu jede Apotheke vorrätig hat.

Großpackungen zu einem vernünftigen Preis würden es den Tierhaltern erleichtern, ihre vierbeinigen Hausgenossen mit den notwendigen Medikamenten zu versorgen. "Bittere Pillen" mit Nachgeschmack gibt es aber leider nicht nur im Bereich der Humanmedizin. (DER STANDARD, Print, 2./3.7.2005)

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