Das Macht-Tabu

28. November 2005, 10:39
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Geordneter Kampf, überraschende Angriffe: Die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Macht scheint in die Gänge zu kommen

Feldherren und ihre Foltermethoden, dann Bücher zum Thema "Machiavelli für Frauen", "Wie werde ich ein Schwein" oder "Böse Mädchen" bestimmten in den vergangenen Jahren die Diskussionen zum Thema Macht. Die Faszination von "Star Wars" und von asiatischen Kampf- (sport)techniken mag auch als Beschäftigung, als Knacken des Tabuthemas Macht, gelten. Eines, das stets den Beigeschmack des Schlechten, des Missbrauchs, mitschleppt.

Die inneren Widerstände zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema Macht sind noch immer groß, aber das Aufbrechen des Tabus scheint in die vorderen Gänge zu kommen: Die wissenschaftliche Publikationsliste ist in den vergangenen vier Jahren förmlich explodiert, die Anzahl der lieferbaren Buchtitel hat sich auf 185 verdoppelt. Jetzt entsteht eine private Macht-Bildungseinrichtung.

Ich nehme an, dass das Erkennen und Erlernen der Kulturtechnik Machtinstrumente vor allem für Frauen im Berufsleben attraktiv sein wird. Stellen wir nicht alle ab und zu fest, dass unsere über Generationen geübten häuslichen Machtinstrumente im Job scheitern? Oder wir ganz erstaunt sind, dass vermeintliche Partner schon längst Gegner geworden sind? Dass wir geordneten Kampf erleben, aber auch überraschende Angriffe?

Vermutlich ist einem Teil des weit verbreiteten Burnout-Syndroms auch zuzuschreiben, dass friedvolle Machtinstrumente nicht bewusst und strategisch eingesetzt werden, sondern Eskalationen ohne rechtzeitig angewandte Gegenstrategien erlebt werden müssen.

Wertehaltungen müssen bei der Beschäftigung mit Macht hinterfragt werden. Aber bekannt ist: Ein Messer kann Brot schneiden oder als Waffe verwendet werden. (DER STANDARD, Printausgabe vom 2.7.2005)

Von
Karin Bauer
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