Interview: "Eine Frage der Intelligenz"

19. Juli 2005, 12:47
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Bernhard Eisel stieg 2004 nach drei Stürzen mit offenem Gesäß als 131. aus seiner ersten Tour de France aus - Heuer fühlt er sich reif für einen Tagessieg - ein

Standard: Ihr Team, Francaise des Jeux, bietet mit dem Australier Bradley McGee nur einen Mann für das Gesamtklassement, aber sonst viele schnelle Leute für die Sprints auf. Welche Rolle ist Ihnen zugedacht?
Eisel: Wir haben erst am Samstagabend die abschließende Besprechung mit Teamchef Marc Madiot, aber ich bin wohl bei Massenankünften die Nummer eins. Das Team wird für mich fahren.

Standard: Ein Resultat des Sieges auf der ersten Etappe der Tour de Suisse?
Eisel: Ja, genau so ein Sieg hat mir gefehlt. Ich habe dort immerhin einen Tom Boonen, einen Robbie McEwen geschlagen. Ich habe bestätigt, dass ich mich durchsetzen kann.

Standard: Sie waren mit zwei dritten Plätzen schon beim Giro d'Italia 2003 knapp am großen Erfolg dran . . .
Eisel: Knapp dran ist übertrieben, andere wie Alessandro Petacchi waren da schon noch um einiges stärker. Doch Petacchi ist diesmal nicht dabei, und ich bin stärker geworden. Ich kann jeden schlagen.

Standard: Wie ist Ihr Verhältnis zum australischen Teamkollegen Baden Cook, dem bisherigen Nummer-1-Sprinter?
Eisel: Ausgezeichnet. Das war es auch, als er die Nummer eins war. Was er während oder nach dieser Tour denkt, wird man sehen. Schließlich ist er einmal sogar als bester Sprinter nach Paris gekommen. Davon kann ich nur träumen.

Standard: Und - träumen Sie?
Eisel: Ja, von einem Etappensieg. Alles andere muss man abwarten, vielleicht komme ich ja in die Verlegenheit, auch einmal das grüne Trikot tragen zu dürfen.

Standard: Gibt es einen Unterschied zwischen Sprintankünften beim Giro und bei der Tour? Geht's bei der Tour härter zu?
Eisel: Bei der Tour wird von Beginn an schneller gefahren. In der Entscheidung wird da wie dort so schnell und hart wie möglich gesprintet.

Standard: Sind Sie in der entscheidenden Phase zu jedem Risiko bereit?
Eisel: Nein, ich bin schon einer, der mehr überlegt. Risiko muss sich auch auszahlen. Das ist eine Frage der menschlichen Intelligenz, aber es gibt natürlich auch etliche Fahrer, die in diesen Situationen mehr das Animalische durchbrechen lassen. (DER STANDARD Printausgabe 02./03.07.2005)

Zur Person: Bernhard Eisel (24) aus Voitsberg ist nach Lehrjahren in Italien seit 2001 Radprofi

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Bernhard Eisel

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    Bernhard Eisel wurde zuletzt bei der Tour de Suisse geküsst.

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