Forschungsplan 2010 im Verzug

12. Juli 2005, 13:31
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Beim nationalen Forschungs- und Innovationsplan, den der Forschungsrat am 8. Juli präsentieren wollte, müssen noch einige Hindernisse aus dem Weg geräumt werden

Wien - Nach dem Lissabon-Prozess gerät Österreich auch beim Nationalen Forschungs- und Innovationsplan (Nafip) in Verzug. Der vom Forschungsrat angepeilte Termin für die Präsentation des Innovationsplans bis 2010 am 8. Juli ist nicht (mehr) haltbar, erfuhr DER STANDARD aus Ratskreisen. Weil man Bildungsministerin Elisabeth Gehrer zugleich eine Grobstruktur für die Verteilung der Forschungsanleihe im Volumen von einer Milliarden Euro vorlegen wolle, wie Forschungsratsvorsitzender Knut Consemüller auf STANDARD-Anfrage durchblicken ließ.

Disput um Strategie

Der Verteilungskampf am Futtertrog dürfte freilich nicht der einzige Grund für die Verzögerung sein, denn die acht zwecks Beratung der Regierung in Forschungs- und Technologiefragen bestellten Ratsmitglieder gehen auch bei der Strategie nicht ganz d'accord, wie man hört. Dass der unter der Ägide der Geschäftsstelle des Rats und unter Einbeziehung maßgeblicher Entscheidungsträger in Wissenschaft, Wirtschaft, Nationalrat und Sozialpartnern bis Mitte Juni entwickelte Nafip-Entwurf postwendend von den Consultern Georg Thurnheim (AMC) und Werner Clement (Foresee) überarbeitet wurde, soll insbesondere bei der Universitätsfraktion im Rat für Irritation sorgen.

Vize-Ratsvorsitzender Günther Bonn war für eine Stellungnahme dazu am Freitag nicht erreichbar. Der Nafip habe zwar Verspätung, habe aber noch immer das Zeug, ein exzellentes Papier und damit eine gute Basis für die neue nationale Lissabon-Strategie, die Österreich im Herbst in Brüssel vorlegen muss, zu werden, hieß es. Universitäre, außeruniversitäre und anwendungsorientierte Forschung würden sicher nicht gegeneinander ausgespielt.

Rat wird im September neu besetzt

Nicht erleichtert wird die Arbeit an der neuen Innovationsstrategie freilich durch die Tatsache, dass Bildungs- und Infrastrukturministerium den Forschungsrat im September neu besetzen müssen. Der "alte" Rat empfiehlt somit Maßnahmen und Investitionen, deren Umsetzung von einem neuen Ratsgremium überwacht und gegebenenfalls modifiziert werden müssen. Fest steht bis dato nur, dass einige Mitglieder freiwillig ausscheiden: Ingeborg Hochmair-Desoyer (Geschäftsführerin von MED-EL), der Agrarwissenschafter Gottfried Brem und die irische Chemikerin Dervilla Donnelly. Offen ist, ob der scheidende Siemens-Generaldirektor Albert Hochleitner dem Ratsgremium weiterhin angehören wird.

Von Vizekanzler Hubert Gorbach werden dem Vernehmen nach zwei allgemein angesehene Magna-Manager favorisiert: der Geschäftsführer von Magna Education & Research, Jürgen Stockmar, und Peter Egger, Forschungschef bei Magna Steyr.

Zusätzlich erschwerend wirkt, dass auch die Geschäftsstelle des Forschungsrats nach dem Abgang von Michael Binder nur interimistisch besetzt ist. Gorbach wünscht sich dort einen aus den Reihen der 21 Bewerber: Helgar Thomic-Sutherlüty, ein Mitarbeiter aus der Zollsektion des Finanzministeriums. Wird er beim Assessment, das überraschend von einem Personalberater durchgeführt wird, "zufällig" Sieger, dürfte Böhler-Vorstand Knut Consemüller als Ratsvorsitzender nicht mehr zur Verfügung stehen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.7.2005)

  • Wachen argwöhnisch darüber, dass der Bereich des anderen keinen Cent zu viel bekommt: die Regierungsberater Günther Bonn (links) und Knut Consemüller.
    foto: standard/hendrich

    Wachen argwöhnisch darüber, dass der Bereich des anderen keinen Cent zu viel bekommt: die Regierungsberater Günther Bonn (links) und Knut Consemüller.

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