VW-Schmiergeld-Affäre: Betriebsratschef zurückgetreten

3. Juli 2005, 19:37
posten

Konzernchef Bernd Pischetsrieder kündigt "lückenlose Klärung" an - Externe Experten sollen helfen, Licht in die brisante Affäre zu bringen

Wolfsburg - Das Ausmaß der Affäre um Betrug und Korruption bei Europas größtem Autokonzern VW ist weiterhin unklar. Nachdem der Betriebsratschef und Aufsichtsrat Klaus Volkert seinen Rücktritt angekündigt hat, sollen jetzt unabhängige Experten die Aufklärung der Schmiergeld-Vorwürfe vorantreiben.

Lückenlose Aufklärung

"Wir haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kontaktiert und beabsichtigen, sie damit zu beauftragen, alle Vorgänge unabhängig zu überprüfen", sagte Konzernchef Bernd Pischetsrieder am Freitag in Wolfsburg. Pischetsrieder hatte zuvor eine "lückenlose Aufklärung" angekündigt.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen der ehemalige Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und einer seiner Ex-Mitarbeiter. Gegen beide bestehe der Verdacht auf Untreue und Betrug, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Laut Justizbehörde gebe es Anhaltspunkte dafür, dass Gelder, die VW beziehungsweise der tschechischen VW-Tochter Skoda zugestanden hätten, auf Privatkonten gelandet seien.

Der neben Schuster angezeigte Mann war früher Mitglied der VW-Personalabteilung, die in den 90er-Jahren von Schuster geleitet wurde.

"Unregelmäßigkeiten"

Schuster soll unter anderem Schmiergelder von Zulieferfirmen verlangt haben. Er musste seinen Posten bei Skoda Mitte Juni räumen. Die interne Revision von VW prüft laut Spiegel Vorwürfe, nach denen Volkert mit Schuster an einem Unternehmen beteiligt sein soll, das sich um einen Auftrag von Skoda in Prag beworben hatte. In Branchenkreisen hatte es geheißen, es gebe "Unregelmäßigkeiten".

Volkert hatte zu seinem Rücktritt erklärt, dies sei "in Kenntnis der zu erwartenden öffentlichen Diskussion um scheinbare Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit seiner Person" erfolgt. Er habe sich keiner kriminellen Handlung schuldig gemacht. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte zudem, es gebe derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass der überraschend zurückgetretene VW-Betriebsratschef Volkert in die Affäre verwickelt sei. Nachfolger Volkerts wird sein bisheriger Stellvertreter Bernd Osterloh.

Schröder will klagen

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder will gegen einen Medienbericht vorgehen, wonach der Bundeskanzler zu "möglichen weiteren Mitwissern der vermuteten Machenschaften bei VW" gehöre. "Dies ist eine falsche, verleumderische Behauptung, gegen deren Verbreitung der Bundeskanzler sich auch rechtlich zur Wehr setzen wird", erklärte Regierungssprecher Bela Anda. Schröder saß während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident im VW-Aufsichtsrat. (dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.7.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Klaus Volkert: "Ich habe mich keiner kriminellen Handlung schuldig gemacht." Dennoch fürchtet er Diskussionen über die Unregelmäßigkeiten bei VW im Zusammenhang mit seiner Person und ist als Betriebsratschef und Aufsichtsrat zurückgetreten.

Share if you care.