"Hauptproblem ist Qualität der Hilfe"

5. Juli 2005, 18:27
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UNO-Sonderbeauftragte für Entwicklungshilfe kritisiert eigennützige Geberländer

Wien - Im Vorfeld des G-8-Gipfels haben der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank zwei Studien über das Wirtschaftswachstum und den Kampf gegen die Armut in Afrika vorgelegt. Vor allem die Ergebnisse der IWF-Studie könnten unter Entwicklungshilfeexperten für heftige Diskussionen sorgen.

Die Weltbank ortet neben einen Anstieg der internationalen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) und Erfolgen bei der Entschuldung einiger afrikanischer Staaten auch einen Rückgang des Analphabetismus. Hauptbedrohung der Entwicklung blieben HIV/ Aids und Kriege.

Der IWF dagegen warnt davor, große Erwartungen an höhere Entwicklungshilfe zu knüpfen. Die Hilfsmittel hätten das Wachstum in Afrika kaum beeinflusst, so die IWF-Studie. Fließe zu viel Wirtschaftshilfe, könnten Löhne zu stark steigen und den Staaten Exportnachteile bringen, so eines der Argumente.

Österreich tut wenig

"Klar ist, dass mehr Geld allein das Problem nicht löst. Die afrikanischen Länder müssen mehr gegen Korruption und Misswirtschaft tun. Das Hauptproblem ist aber die Qualität der internationalen Hilfe", kommentiert die UN-Sonderbeauftragte für die Millennium-Entwicklungsziele, Eveline Herfkens, die IWF-Studie. Durch die Millenniumsziele sollen unter anderem die weltweite Armut bis 2015 halbiert werden.

Vielen Staaten gehe es bei ihrer EZA nicht um die Armutsbekämpfung, sondern um die Förderung der eigenen Wirtschaft durch die Erteilung von Aufträgen an Unternehmen. "Viele Staaten verfolgen mit ihrer EZA primär geopolitische Ziele, das ist auch schädlich", so Herfkens, die am Freitag an einer Diskussion über Österreichs Beitrag zu den Millenniumszielen in Wien teilnahm.

Als Beispiel nennt sie Österreich: "Österreich kooperiert eng mit seinen osteuropäischen Nachbarn, leistet aber bei der internationalen EZA sehr wenig." Laut vorläufiger Berechnung des Außenamts betrug Österreichs EZA 2004 556 Millionen Euro, das sind 0,24 Prozent des BIP. Neben dem politischen Willen, die Gelder zu erhöhen, fehlt laut Herfkens auch der öffentliche Druck. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.7.2005)

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