Der letzte Kuss schmeckt am besten

19. Juli 2005, 12:47
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Armstrong geht auf seinen siebenten Sieg los, der Texaner über seine Herausforderer: "Sie werden mir das Leben schwer machen."

Fromentine - Für Lance Arm-strong ist es der Abschied von der großen Radsportbühne, für die anderen ist es die letzte Chance. Wenn am Samstag in Fromentine an der französischen Atlantikküste die 92. Tour de France gestartet wird, gilt das Motto: alle gegen einen. Die weltbesten Radprofis treten an, um dem Rekordgewinner den Nimbus der Unbesiegbarkeit zu nehmen. "Sie wollen mich vom Thron stürzen und werden mir drei Wochen lang das Leben schwer machen", sagt Armstrong.

Armstrong - Ullrich 4:0

Der Druck liegt allerdings eher bei den Herausforderern. Vor allem beim Deutschen Jan Ullrich, der die Frankreich-Rundfahrt unbedingt zum zweiten Mal nach 1997 gewinnen will. "Dabei gleichzeitig Lance zu schlagen, würde einen Tour-Sieg natürlich zu etwas Besonderem machen", sagt der T-Mobile-Kapitän. Viermal trafen die beiden Dauerrivalen bei der Tour seit 2000 aufeinander - viermal setzte sich Armstrong durch. Nur einmal, vor zwei Jahren, konnte Ullrich den Amerikaner ernsthaft gefährden, auch wenn er sich am Ende mit 61 Sekunden Rückstand erneut geschlagen geben musste. "2003 hat gezeigt, dass auch ein Lance Armstrong zu besiegen ist", zeigt sich der fünfmalige Tour-Zweite kampfbereit. Ihm werden in den Bergen gleich vier Kapazunder (Winokurow, Klöden, Sevilla, Guerini) zur Seite stehen. Doch auch Armstrong sieht sein Team (u.a. Savoldelli, Popowitsch) als "das wohl stärkste, das wir je hatten".

Basso, Mayo, Heras

Doch nicht nur Ullrich will dem Kapitän des US-Postal-Nachfolgers Team Discovery Channel die Abschiedstour vermasseln. Mindestens ein halbes Dutzend weiterer Fahrer hat zum Generalangriff auf den "Boss" geblasen. Der letztjährige Dritte Ivan Basso sieht "die Zeit für eine Wachablösung" gekommen. Und Spaniens Radsport-Armada mit Armstrongs früherem Edelhelfer Roberto Heras sowie Iban Mayo, Francisco Mancebo und Carlos Sastre will zehn Jahre nach dem letzten Tour-Sieg von Miguel Indurain wieder das Gelbe Trikot holen.

Österreich ist mit einem Quartett vertreten. Der Tiroler Georg Totschnig, Gesamtsiebenter 2004, träumt von einem Etappensieg in den Bergen. Mit dem Steirer Bernhard Eisel (FdJeux) ist in Massenankünften zu rechnen, der Kärntner Peter Wrolich (Gerolsteiner) und der Salzburger Gerrit Glomser (Lampre-Caffita) könnten in der einen oder anderen Ausreißergruppe in Erscheinung treten.

Zunächst werden die Sprinter das Sagen haben. Nach einem Ausflug nach Deutschland auf der siebenten (Karlsruhe) und achten Etappe (Pforzheim) wird es in der zweiten Woche richtig ernst. Am 12. Juli steht auf der zehnten Etappe in Courchevel die erste Bergankunft auf dem Programm. Königsetappe ist das 15. Teilstück, das über sechs Pyrenäen-Berge führt. Sind danach die Würfel noch nicht gefallen, so fallen sie am vorletzten Tag im 55-km-Zeitfahren in Saint-Etienne. Ausrollen wird die Tour nach 3607 Kilometern am 24. Juli in Paris. "Dann", sagt Armstrong, "wissen wir mehr." (DER STANDARD Printausgabe 02./03.07.2005)

  • Lance Armstrong aus Texas, sechsmaliger Toursieger, stets voll konzentriert.
    foto:epa/fife

    Lance Armstrong aus Texas, sechsmaliger Toursieger, stets voll konzentriert.

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