Ehe, Scheidung, Raub

3. Juli 2005, 20:43
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Der Unglückselige, hatte zwei Schwächen: Er war nicht gut in der Ehe - Und er war schlecht bei der Scheidung - eine Gerichtsgeschichte

Wien – Manche gründen wenigstens absurde Firmen ohne Eigenkapital, um Pleite (und darüber hinaus) zu gehen. Manche sprengen im Kasino jeden noch so hohen Kreditrahmen. Aber der brav arbeitende und sauber verdienende Klaus P. (41), der Unglückselige, hatte lediglich zwei Schwächen: Er war nicht gut in der Ehe. Und er war eklatant schlecht bei der Scheidung.

Die Unkosten sind selbst nach drei Banküberfällen noch nicht gedeckt. Dass diese aufgeklärt werden konnten, wirft ihn weiter zurück. Momentan hält er bei minus 180.000 Euro. Als Gemeindebediensteter konnte sich der Vater neben seiner Frau, zwei gemeinsamen Söhnen, einer gemeinsamen Firma und einer gemeinsamen Eigentumswohnung sogar noch eine (allerdings nicht gemeinsame) Freundin leisten. Doch nicht sehr lange. Die bisher letzte gute Phase endete mit dem Scheidungsverfahren.

„Es hat zweieinhalb Jahre gedauert, und es hat drei Richter gebraucht“, jammert der Angeklagte. „Sie wissen ja, wie das im Gericht so ist“, sagt er zum Vorsitzenden, „man verhandelt so lange, bis ein Schuldiger gefunden wird.“ – Das war schon damals recht eindrucksvoll: er. Als ihm nach Serien von 20-Stunden-Arbeitstagen bei der Müllabfuhr die Bizepssehne riss, war für ihn die Zeit reif, sich in einem Spielzeuggeschäft eine muskelschonende Softgun zu besorgen. Am 15. März 2004 zeigte er sie anlässlich eines Urlaubstages erstmals in einer Bank-Austria-Filiale her und bekam dafür 7200 Euro.

Ein Vergleich mit den Wünschen der Exekutoren und Kredithaie (30.000 Euro) machte einen zweiten Softgun- Bankbesuch erforderlich. In Döbling gab man dem Maskierten 21.000 Euro. Damit waren die Schulden fast gedeckt. Was brachte das nächste Jahr? – „Ich habe zehn Monate lang nur Zahlscheine gesammelt, das hat mich fertig gemacht“, sagt er. Die schöne Erinnerung an sein erstes Erfolgserlebnis in einer Bank führte ihn am 21. Februar 2005 noch einmal in dieselbe Filiale. Sogar die Kassierin war noch die gleiche. Diesmal war sie großzügiger: 31.700 Euro – leider inklusive Alarmpaket. Bald nachdem es explodierte, nahm man ihn fest. Klaus P. wird wegen Raubes zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe, 02./03.07.2005)

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