Bono Vox

3. Juli 2005, 19:54
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Oder: Gut sein verkauft sich gut

Bono Vox ist bekanntlich nicht nur ein guter Mensch. Der heute 45-jährige, in Dublin in bescheidene Verhältnisse geborene Paul Hewson ist gemeinsam mit Paul McGuinness, dem langjährigen Manager seiner Band U2, auch ein glänzender Geschäftsmann.

Abgesehen vom noch nicht absehbaren mittelbaren finanziellen Bonus, den U2 nach ihrem heutigen Auftritt vor einem weltweiten Milliardenpublikum bei Live 8 einfahren werden, immerhin hat der Benefizgedanke großen Bands noch selten geschadet:

Seit gut einem Vierteljahrhundert verkauften Bono Vox und seine seit Gründung der Band selben Begleiter The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen Jr. bis dato 130 Millionen Tonträger. Und allein die aktuell bis Dezember 2005 laufende Vertigo-Welttournee wird U2 vor insgesamt über zwei Millionen Besuchern an die 300 Millionen Euro zusätzlich einbringen. Kunststück bei einer kolportierten Abendgage von drei Millionen Euro und Kartenpreisen bis zu 160 Euro. Heute, Samstagabend, führt sie diese Gastspielreise im Gefolge ihres aktuellen Albums How To Dismantle An Atomic Bomb etwa auch in das seit Monaten ausverkaufte Wiener Ernst-Happel-Stadion. Zuvor werden U2 bereits am Nachmittag im Londoner Hyde Park mit Paul McCartney und einer Neuversion des Beatles-Klassikers Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band aufgegeigt haben.

Zwar muss man sich im speziellen Falle von Bono Vox immer auch fragen, wem eine heute nicht nur für die Schuldenentlastung der ärmsten Staaten Afrikas unternommene Mildtätigkeit am meisten nützt, den Armen oder ihm als Reichen. Der seit 1982 verheiratete Katholik und Vater von vier Kindern ist immerhin auch seit Jahrzehnten im Dienste des Guten zwischen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika, für die Erhaltung des Regenwalds im Amazonas und seit einigen Jahren als Global Player gegen Armut in der Dritten Welt unterwegs.

Die Musik als eigentliches Kernthema von Bono Vox, der diese einmal recht unbescheiden als "Soundtrack der gesellschaftlichen Veränderung" bezeichnete, ergänzt das Bestreben nach Weltverbesserung jedenfalls prächtig. Immerhin werfen Kritiker wie US-Starautor Robert Christgau der Band schon seit Jahrzehnten eines vor: Schwere christliche Metaphorik treffe hier auf hohle, simpel gehaltene und pathetische Musik. Die schreibe man gewöhnlich Hollywood-Komponisten zu, wenn diese mittelalterliche Klosterszenen zu untermalen hätten.

Bono Vox selbst sah dies vor seiner zweiten Karriere als Jetsetter zwischen Weißem Haus, Heiligem Stuhl, EU- Hauptquartier und Weltwirtschaftsforum in Davos vor zehn Jahren schon ähnlich. Es gehe hier um "Männermusik" zwischen "Liebe, Sehnsucht und Glaubenskrise".
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.7.2005)

Von
Christian Schachinger
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    Profiliert: Bono

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