Tatort-Kommissar Sodann verzichtet auf Bundestagskandidatur

6. Juli 2005, 21:10
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69-Jähriger wollte deutschem Linksbündnis zum Erfolg verhelfen - "Künstlerische Arbeit ist wichtiger als politisches Mandat"

Berlin - Der als Leipziger "Tatort"-Kommissar Bruno Ehrlicher bekannt gewordene Schauspieler Peter Sodann verzichtet auf seine Bundestagskandidatur für die PDS.

Der 69-Jährige erklärte am Mittwoch einer Mitteilung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) zufolge, er wolle weiterhin als Schauspieler arbeiten. Er habe die Regel nicht gekannt, wonach Bewerber um ein Mandat nicht mehr in Fernseh- und Hörfunkprogrammen auftauchen dürften. Diese Regeln seien vernünftig. Zugleich wies er Vorwürfe des PDS-Wahlkampfleiters Bodo Ramelow zurück, der MDR, der die Leipziger "Tatort"-Folgen ausstrahlt, habe Druck auf ihn ausgeübt.

Sodann hatte am Montag angekündigt, er wolle an der Spitze der sächsischen PDS in den Bundestag einziehen. Bundeskanzler Gerhard Schröder warf dem früheren SPD-Chef Lafontaine, dessen Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) mit der PDS ein Linksbündnis anstrebt, Fremdenfeindlichkeit vor. Lafontaine hatte ausländische Billig-Arbeitskräfte mit dem aus der NS-Zeit stammenden Begriff "Fremdarbeiter" bezeichnet.

"Meine Arbeit geht vor"

"Ich habe von Anfang an gesagt, dass meine Arbeit vorgeht", sagte Sodann dem MDR zufolge. Zudem vertrete er die Ansicht, dass ein Bundestagsabgeordneter keine Nebenbeschäftigung haben sollte. "Es ist doch so, wenn ich für einen Film drei- oder vier Mal im Jahr ausfalle, kann ich meine Arbeit nicht richtig machen. Weder für den Bundestag, und möglicherweise auch nicht für den Film."

MDR-Intendant Udo Reiter sagte, Sodann habe seine Kandidatur auf eigenen Wunsch zurückgezogen. "Er hat mir versichert, dass ihm seine künstlerische Arbeit wichtiger sei als ein politisches Mandat", sagte Reiter dem MDR. Die ARD-Regelungen für Mandatsträger gälten für alle Parteien. "Im Fall von Peter Sodann könnte es sein, dass er als Bundestagsabgeordneter um 20 Uhr in der Tagesschau ist und um 20.15 Uhr als Kommissar Ehrlicher Fälle klärt. Das ist absurd", sagte Reiter.

Die PDS äußerte Verständnis für den Wunsch Sodanns und erklärte, sie bedauere dessen Entscheidung. PDS-Wahlkampfleiter Ramelow warf dem MDR ein Berufsverbot gegen Sodann vor. Der Sender habe den Schauspieler unter Druck gesetzt, obwohl der noch gar nicht als Kandidat nominiert worden sei, sagte Ramelow dem "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe). Er gehe davon aus, dass das dem Kandidaten einer anderen Partei nicht passiert wäre. (Reuters)

  • Peter Sodann, hier als Stasi-Chef Erich Mielke in der ZDF/arte-Produktion "Deutschlandspiel" (2000)
    foto: zdf/arte

    Peter Sodann, hier als Stasi-Chef Erich Mielke in der ZDF/arte-Produktion "Deutschlandspiel" (2000)

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    Geht in die Politik: Peter Sodann.

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