Betrugsverdacht: Geld für TV-Berichte

2. Juli 2005, 23:35
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Früherer Sportchef des Hessischen Rundfunk Jürgen Emig wegen Verdachts der Bestechlichkeit und des Betrugs in Untersuchungshaft

Ein handfester Skandal erschüttert die deutsche TV-Branche: Jürgen Emig (59), früherer Sportchef des Hessischen Rundfunks (hr), sitzt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und des Betrugs in Untersuchungshaft. Emig, der vor allem als ARD-Reporter von der "Tour de France" populär wurde, soll im Austausch für TV-Berichte Geld von zwei Marketing-Agenturen erhalten haben. Eine der Agenturen gehörte Emigs Frau Atlanta Killinger, gegen die kein Haftbefehl beantragt worden ist.

Die Vorwürfe waren bereist im März 2004 publik geworden. Emig hatte damals sein Amt niedergelegt und war seitdem nach hr-Angaben mit "Sonderaufgaben" wie der Programmkoordination betraut. Am 1. Oktober soll Emig in "passive Altersteilzeit" gehen. Emig, der für seine Reportagen Preise erhielt, war über 16 Jahre lang Sportchef des hr.

Verdacht: 400.000 Euro Schmiergeld

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass rund 400.000 Euro Schmiergeld eingestrichen wurden. Vor der Berichterstattung über Randsportarten wie Triathlon, Marathon und Reiten soll Emig den Organisatoren zur Bedingung gemacht haben, dass die Vermarktung über die Agentur seiner Frau und eine weitere Firma läuft. Die Veranstalter mussten höhere Geldsummen an die Agenturen bezahlen, die dann auch an die Beschuldigten geflossen seien.

Emig, Vater von zwei Kindern, wird neben Bestechlichkeit und Betrugs auch Anstiftung zur Bestechung in drei Fällen vorgeworfen. Die Korruptionsabteilung der Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Emig bereits seit Frühjahr vergangenen Jahres. Wegen der Vielzahl anderer Fälle habe es erst jetzt die Durchsuchungen gegeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Bechtel. Nach einer Groß-Razzia von neun Objekten, darunter hr-Redaktionsräumen, erkannte die Frankfurter Staatsanwaltschaft eine "Verdunkelungsgefahr". Ermittelt wird unter Leitung von Wolfgang Schaupensteiner, der den Ruf hat, Deutschlands Korruptionsjäger Nummer eins zu sein. (APA/dpa)

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