Antibiotika gegen die Elefantenkrankheit

11. Juli 2005, 13:00
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Bisher ließ sich die gefährliche Tropenkrankheit kaum heilen

Bonn - Der Stich einer infizierten Mücke kann den Menschen sozusagen zum Elefanten machen: Arme, Beine und Genitalien der Betroffenen schwellen geradezu monströs an, weshalb man dafür auch den Namen Elefantiasis (Elefantenkrankheit) fand. Mehr als 120 Millionen Menschen weltweit sind nach Expertenschätzungen mit dem Erreger "Wuchereria bancrofti" infiziert. Bisher ließ sich die gefährliche Tropenkrankheit kaum heilen, doch nun fanden Parasitologen aus Deutschland, Großbritannien und Tansania in einer Studie heraus, dass ein Antibiotikum, das schon lange gegen Atemwegs- und Darminfektionen eingesetzt wird, auch die Erreger der Elefantiasis besiegen könnte.

Wie die Forscher in dem Mediziner-Fachblatt "The Lancet" (Band 365, 18. Juni 2005) schrieben, pumpt die Mücke zusammen mit einem Gerinnungshemmstoff Wurmlarven in den Körper ihres Opfers. Diese wandern zu den Lymphknoten und wachsen dort zu Fadenwürmern heran, die bis zu zehn Zentimeter lang werden können. Der Körper reagiert mit einer Entzündung, durch die der Lymphfluss zum Erliegen kommt. Das wiederum führt zu den extrem geschwollenen Extremitäten.

Mikrofilarien

Den Angaben zufolge können die erwachsenen Wuchereria-Würmer fünf Jahre alt werden. In dieser Zeit produzieren sie Millionen von Nachkommen, die so genannten Mikrofilarien, "jede kleiner als der Punkt am Ende dieses Satzes", wie der Bonner Parasitologe Achim Hörauf erläuterte. Bei einem erneuten Mückenstich werden die Mikrofilarien mit dem Blut aufgenommen. In dem Insekt reifen sie zu infektiösen Wurmlarven heran, womit sich der Kreislauf schließe.

"Die heute eingesetzten Medikamente töten zwar die Mikrofilarien, lassen jedoch die erwachsenen Würmer größtenteils ungeschoren", sagte der Experte. Wegen der langen Lebensdauer der Wuchereria-Würmer dauere die Behandlung mehrere Jahre, in denen die Symptome fortbestünden. Zudem könnten die Medikamente schwere Nebenwirkungen verursachen.

Bakterienvernichtung

Die Forscher konzentrierten sich auf die "Untermieter" des Fadenwurms, auf bestimmte Bakterien, die der Schmarotzer zum Überleben unbedingt benötigt. Wenn diese Bakterien vernichtet werden könnten, so müsse früher oder später auch der Parasit sterben. Daher sei Wuchereria angreifbar für Antibiotika, die normalerweise gegen bakterielle Infektionen eingesetzt würden, sagte Hörauf. Als Beispiel nannte er Doxycyclin, das schon seit Jahrzehnten gegen Infektionen der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts eingesetzt wird.

In ihrer Studie behandelten die Mediziner in Tansania insgesamt 72 männliche Betroffene für acht Wochen mit Doxycyclin oder einem Placebo. Den Angaben zufolge wimmelte es anfangs im Blut der Versuchsteilnehmer von Mikrofilarien: Bis zu 1.300 Tiere pro Milliliter Blut seien gezählt worden. Acht Monate nach der Behandlung seien sie fast völlig verschwunden gewesen; nur bei einem Kranken hätten sich noch einzelne Mikrofilarien nachweisen lassen.

Anders als bisher eingesetzte Medikamente habe das Antibiotikum aber auch die ausgewachsenen Würmer getötet. 14 Monate nach der Doxycylin-Kur hätten die Ärzte im Ultraschall-Bild lediglich bei jedem fünften Patienten noch die typischen Wurmbewegungen, den so genannte Filarien-Tanz nachweisen können. In der Placebo-Gruppe habe diese Quote bei 89 Prozent gelegen. Auch die Konzentration bestimmter Wurm-Proteine im Blut ist in der Doxycyclin-Gruppe laut Hörauf um mehr als die Hälfte zurückgegangen. (APA/AP)

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