Warum Freejazz "unerträglich" sein soll

4. Juli 2005, 14:48
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Studien zur physiologischen Wirkung von Musik in Salzburg

Salzburg - "Mensch und Musik" heißt ein Projekt der Universität Mozarteum und einer Reihe von Partnern, in dem die Wirkung von Musik auf den Körper und den Geist erforscht wird. Seit drei Jahren arbeiten Mediziner, Physiker, Pädagogen, Psychologen und Musiker, um herauszufinden, wie die Musik auf den Biorhythmus, die Muskulatur und verschiedene Krankheiten wie etwa Parkinson wirkt und ob sie in der Lage ist, Schmerzen zu lindern oder Depressionen zu vermeiden. Zudem soll der Zusammenhang zwischen Musik, Biorhythmus und Leistungsfähigkeit erforscht werden. Zehn verschiedene Studien und eine Reihe von Doktorarbeiten sind bis jetzt Teil des Projektes "Mensch und Musik", verbraucht wurde dafür rund eine Million Euro, gehofft wird auf weitere Mittel vom Bund.

Biorhythmus als Taktgeber

Die Forscher haben eine Reihe von Versuchspersonen mit Musik von Schostakowitsch konfrontiert. Dabei wurde via elektrischem Hautwiderstand gemessen, wie sich diese extrem dynamische Musik auf die Psyche, die Muskulatur und das Wohlbefinden des Einzelnen auswirkt. Projektleiter Hans Ulrich Balzer sagte bei einer Presseinformation, erstmals sei der wissenschaftliche Nachweis gelungen, dass die Musik physiologisch wirkt. "Für manche Menschen verursacht sie Stress, manche werden durch die Musik beruhigt. Die Faustregel gilt, je kränker ein Mensch ist, desto mehr sinkt die Belastbarkeit und desto größer ist die Sehnsucht nach simpler Musik."

Für Rektor Roland Haas ist besonders bedeutsam, dass mit diesen Stressmessungen ergründet werden kann, warum Menschen Fehler machen und wie durch verbesserte Synchronität zwischen Willen und Körperspannung Selbstvertrauen gesteigert und pädagogische Leitsätze die Lehre erarbeitet werden könnten. "Es gilt herauszufinden, wann ein Mensch trainieren und sich zusammenreißen muss und wann er sich besser entspannen sollte. Synchronität der Physis und der Psyche hilft, die eigene Leistung bei geringerem Energieaufwand zu steigern. Zugegeben, das klingt wie eine Binsenweisheit, vieles davon weiß der erfahrene Pädagoge oder der einfühlsame Psychologe ohnehin. Aber wir liefern erstmals fundierte wissenschaftliche Daten. Als nächstes müssen diese Daten umgesetzt werden und zur konkreten Verbesserung der Pädagogik führen und zum Beispiel dem Musiker helfen, in Stresssituationen den Draht zu sich selbst nicht zu verlieren."

Freejazz versus "Wohlbefinden"

Balzer erläuterte, jeder Mensch schütte im Minuten-Rhythmus natürliches Adrenalin aus. Fast jede Musik unterliegt dem selben Rhythmus. Wenn ein Musiker also "authentisch komponiert und interpretiert", wird meistens "Wohlbefinden" ausgelöst. Umkehrschluss aus der Behauptung: "Freejazz-Musiker wirken auf mich oft richtig krank und auch auf den Hörer wirkt diese Musik unerträglich. Auch werden zeitgenössische Kompositionen, die den Biorhythmus der Zeit nicht berücksichtigen, generell als unangenehm empfunden." (APA)

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