Wifo und IHS senken BIP-Prognosen

1. Juli 2005, 18:52
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Institute erwarten für heuer deutlich schwächeres Wachstums von 1,8 bis 1,9 Prozent - 2006 kaum Besserung in Sicht

Wien - Österreichs Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS haben am Freitag ihre BIP-Prognose für 2005 und 2006 deutlich gesenkt. Laut Wifo wird sich das Wirtschaftswachstum - nach 2,2 Prozent im Vorjahr - heuer auf 1,8 Prozent abschwächen, laut IHS auf 1,9 Prozent. Bei ihrer letzten Prognose im April waren die Experten für heuer noch von 2,2 bzw. 2,1 Prozent BIP-Anstieg ausgegangen.

Auch für 2006 sind die Institute angesichts des schwächeren internationalen Konjunkturumfeldes jetzt ebenfalls pessimistischer als noch im Frühjahr. Das Wifo erwartet für kommendes Jahr nur noch 1,9 Prozent reales Wirtschaftswachstum nach zuletzt noch 2,3 Prozent. Und das IHS hat seine BIP-Prognose von 2,5 auf 2,3 Prozent reduziert.

Weitere Verschärfung am Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt wird sich die Situation heuer entgegen früheren Annahmen weiter verschärfen. Wegen der starken Ausweitung des Arbeitskräfteangebots dürfte die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung - trotz eines merklichen Beschäftigungswachstums - von 7,1 auf 7,2 Prozent zulegen, 2006 befürchtet das Wifo sogar einen weiteren Anstieg auf 7,3 Prozent. Nach Eurostat-Definition dürfte die Quote heuer von 4,5 auf 4,6 Prozent zulegen und 2006 kaum sinken.

"Erhöhte Konjunkturrisiken"

Nach Ansicht des Wifo mehren sich nun die Anzeichen dafür, dass die erhöhten Konjunkturrisiken, vor denen das Institut schon im Frühjahr gewarnt hat, nun schlagend werden: Im Euro-Raum würden die positiven Wachstumsimpulse aus dem Export nachlassen, und die Binnennachfrage bleibe auf Grund der hohen Verunsicherung von Konsumenten und Investoren schwach, betonte das Wifo am Freitag.

Die Wirtschaftspolitik im Euro-Raum zeige sich nicht in der Lage, den Problemen unzureichender Inlandsnachfrage und eines niedrigen Wachstumspfades wirkungsvoll zu begegnen. Der Euro-Raum befinde sich im fünften Jahr einer Wachstumsschwäche und wachse heuer real um nur 1 1/2 Prozent.

Prognose mit "beträchtlichen Abwärtsrisiken"

Für die Konjunkturprognose bestehen weiterhin beträchtliche Abwärtsrisiken, stellt das Institut für Höhere Studien (IHS) fest. Die Frühindikatoren würden noch nicht auf eine spürbare Beschleunigung der europäischen Konjunktur hindeuten. Ein weiteres Ansteigen der Ölpreise würde zusätzlichen Preisdruck ausüben und damit die Kaufkraft schwächen.

In der zweiten Jahreshälfte dürften sich die Konsumausgaben in Österreich beleben, erwartet das IHS, nachdem sie im ersten Quartal wegen der hohen Preissteigerungen nur verhalten zugelegt haben. Die Steuerreform stütze die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, sodass nunmehr ein Konsumwachstum von 1,9 Prozent für heuer zu erwarten sei und 2006 dann ein Plus von 2,1 Prozent. Die Sparquote werde heuer um 0,6 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent steigen und 2006 um 1/4 Prozentpunkt zurückgehen.

China wächst anhaltend stark, USA etwas abgeschwächt

Die Weltkonjunktur, die dem IHS zufolge seit Mitte 2004 spürbar an Dynamik verloren hat, befindet sich laut Wifo nach wie vor in einer Phase überdurchschnittlichen Wachstums, allerdings kühlt sich das Tempo ab. Die Expansion der Weltwirtschaft werde weiterhin von der robusten Konjunktur in China und den USA getragen. Für die USA rechnet das Wifo für 2005 und 2006 mit einer leichten Verlangsamung des Wachstums. Chinas Wirtschaft jedoch wächst anhaltend mit einer Rate von fast 10 Prozent. Ihr Anteil an der Weltproduktion ist bereits auf 13 Prozent gestiegen, sie trägt damit etwa ein Viertel zum Weltwirtschaftswachstum bei.

Das gesamtstaatliche Defizit Österreichs wird vom Wifo heuer und 2006 bei 1,9 Prozent des BIP und vom IHS bei 1,9 bzw. 1,7 Prozent erwartet, sollte eine strikte Ausgabendisziplin eingehalten werden. Die Inflation sehen die Institute heuer auf 2,5 bzw. 2,4 Prozent steigen und 2006 auf 1,5 bzw. 1,7 Prozent zurückgehen. (APA)

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    Wifo-Chef Karl Aiginger (l.) und IHS-Chef Bernhard Felderer sehen die Konjunkturrisiken, vor denen sie schon im Frühjahr gewarnt haben, nun "schlagend werden".

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