Run auf die Altersvorsorge

12. Juli 2005, 12:03
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"Wenn der Finanzminister uns schon einmal etwas gibt ..." ist nach wie vor das Verkaufsargument bei der geförderten Zukunftsvorsorge - Die AK stellte nun Mängel in der Beratung fest

Wien - Die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge, die als Investmentfonds oder als fondsgebundene Lebensversicherung angeboten wird, hat sich am Markt außergewöhnlich gut etabliert. Sie wurde seit ihrer Einführung vor zwei Jahren 456.485-mal abgeschlossen.

Die 27 Anbieter lukrierten im Vorjahr ein Prämienvolumen von 367 Mio. Euro, davon entfallen 300 Mio. Euro auf Versicherungsverträge, die restlichen 67 Mio. auf Fondsveranlagungen der Kapitalanlagegesellschaften.

74 Euro pro Monat

Der durchschnittliche Sparbetrag beträgt 74 Euro im Monat. Allerdings zahlen nur 14 Prozent der Anleger den derzeit maximal geförderten Betrag von 2000 Euro pro Jahr (167,67 pro Monat) ein, berichtet die AK Wien aus einer aktuellen Studie. Die maximale Förderung von 180 Euro im Jahr bekommt aber nur, wer die 2000 Euro jährlich einzahlt.

Neben mangelnder Beratung kritisiert die AK auch, dass die Produktanbieter den Konsumenten suggerieren, die staatliche Prämie (derzeit neun Prozent) sei gleichzusetzen mit der Rendite. Dabei hat die staatliche Prämie mit der Rendite nichts zu tun.

Mangelnde Informationen

Außerdem bemängeln die Konsumentenschützer, dass es bei den 15 von ihnen im Zuge einer "Mystery Shopping"-Tour untersuchten Anbieter keine Angaben über die Veranlagungsstrategie der Gelder gab. "Informationen zur aktuellen Aktienquote, welche Aktien bzw. Anleihen sich im Portfolio befinden, scheinen auf den Angeboten nicht auf".

Zudem erfahre der Konsument kaum, welche zusätzlichen Kosten bei den Versicherungsprodukten anfallen. Anders bei Fondsprodukten: hier müssen die Kosten (Ankaufskosten, jährliche Managementgebühr) angegeben werden.

Die Ankaufskosten betragen in der Regel drei Prozent, laufende Kosten pro Jahr rund 1,5 bis zwei Prozent. Dabei fallen die unterschiedlichen Kosten enorm ins Gewicht: Beispielsweise machen 0,5 Prozent jährlicher Kostenunterschied (20-jähriger Vertrag, jährliche Einzahlung 2000 Euro, angenommene Wertentwicklung fünf Prozent) 4430 Euro bis zum Ende der Laufzeit aus.

Mehrere Angebote

Die AK rät daher den Konsumenten, mehrere Angebote einzuholen und auch andere Veranlagungsmöglichkeiten wie etwa Bausparen, ein Sparbuch oder eine Lebensversicherung zu prüfen.

Abgeraten wird davor, laufende Verträge etwa einer Lebensversicherung zugunsten eines neuen Vorsorgeproduktes auflösen, denn das verursache hohe Verluste. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.07.2005)

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AK Wien
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