Rasanter ÖIAG-Abgang bei der Voest - Unmut über teure Räte

12. Juli 2005, 12:03
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Mitte Juli dürfte der Staatsanteil am Stahl- und Verarbeitungs­konzern Voestalpine endgültig Geschichte sein, denn die ÖIAG-Umtauschanleihe wird wie wild gewandelt

Linz – Die Voestalpine ist noch früher entstaatlicht, als erwartet. Da die von der Staatsholding 2003 auf Voest-Aktien begebene Umtauschanleihe wie wild gewandelt wird, hält die ÖIAG derzeit nur mehr rund 2,8 Prozent am Stahl- und Verarbeitungskonzern. Und weil die Wandler für das heurige Rekordergebnis auch noch eine Dividende bekommen, sollte der Staatsanteil mit der Dividenden auszahlung Mitte Juli Geschichte sein und nicht erst im Herbst 2007.

Ob sich ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch im Herbst dem entsprechend aus dem Voest-Aufsichtsrat zurückziehen wird, ließ er nach der Hauptversammlung am Donnerstag offen. "Das werden wir uns noch gut überlegen", sagte Wieltsch zum STANDARD. Die Möglichkeit zu bleiben hat er, sein Mandat läuft noch für vier Jahre.

Explodierter Gewinn

Für Aufregung sorgte die Entstaatlichung bei der 13. Aktionärsversammlung am Donnerstag im Linzer Designcenter jedenfalls nicht mehr, vielmehr lauschten die rund 570 versammelten Aktionäre ergriffen – und geduldig – dem mehr als einstündigen Referat von Voest-General Wolfgang Eder. Der 2004/2005 erwirtschaftete Umsatz von 5,78 Milliarden Euro und vor allem der um 148 Prozent auf 323,5 Millionen Euro explodierte Gewinn sollten die Aktionäre offenbar milde stimmen.

Milde für die mit 323.000 Euro doch recht üppig ausgefallene Anhebung der Vergütungen für den Aufsichtsrat unter Vorsitz von Joachim Lemppenau, im Zivilberuf Vorstandschef der Volksfürsorge Versicherung in Hamburg. "Das entspricht einer Anhebung um 220 Prozent", rechnete ein Aktionär Steiner verärgert vor. Dagegen seien die 2,10 Euro Dividende für die Aktionäre nachgerade mickrig, ein Euro Bonus wäre eher angemessen als die – letztlich mit 99 Prozent beschlossenen – 60 Cent.

Äger über Erhöhung für Aufsichtsrat

Den aufkommenden Ärger zu parieren, vermochte weder Eder noch der scheidende Finanzchef Werner Haidenthaler bravourös. Wenngleich beide eine schlüssige Erklärung parat hatten: Die Vergütung falle nur heuer so hoch aus, weil sie ab jetzt an den Gewinn gekoppelt sei. Als Faustregel für die Ermittlung gilt: ein Promille des Gewinns. Da nicht anzunehmen sei, dass zukünftige Geschäftsjahre ebenso außergewöhnlich verlaufen würden wie das abgelaufene, werde die Aufwandsentschädigung wieder sinken. Damit seien auch die Voest-Kontrollore am Gewinn beteiligt. Außerdem stiegen deren Haftungen und Risiken. Dass die Räte in Verlustjahren nicht zum Nulltarif sitzen müssen, ist übrigens gesichert, denn die Basisabgeltung beträgt für den Vorsitzenden 20.000 Euro pro Jahr, seine Stellvertreter je 15.000 und einfache Räte 10.000.

Auf Vorrat für Zukäufe beschlossen wurde, dass die Voest Wandelschuldverschreibungen für 3,96 Mio. Aktien bzw. im Volumen von bis zu 250 Millionen Euro ausgeben darf. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.07.2005)

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