Simone und die Straßenkinder

8. Juli 2005, 12:08
posten

Neues zum Mozart-Festival von Peter Sellars

Wien - New Crowned Hope, das Mozartjahr-Festival von Peter Sellars, nimmt langsam Gestalt an: Sellars stellte fünf Arbeiten aus dem Programm, dessen Gesamtumfang noch nicht feststeht, vor. Wobei: Alle Werke befinden sich noch im Werden.

Zur Musik von US-Komponist John Adams, gespielt von dem venezolanischen Simon Bolivar Symphony Orchestra mit chorischer Beteiligung der Schola Cantorum des Caracas, will Sellars eine neue Oper inszenieren, die ihren Ausgangspunkt bei Mozarts Zauberflöte hat. Vor 30 Jahren hatte ein Musikprojekt mit Straßenkindern zur Gründung eines Orchesters geführt. Heute gibt es 60 Jugendorchester in Caracas. Mit einem davon wird Adams im November 2005 zu arbeiten beginnen.

Ein großes symphonisches Werk wird die Zusammenarbeit zwischen der finnischen Komponistin Kaija Saariaho und dem libanesischen Autor Amin Maalouf sein. Unter dem (Arbeits-)Titel La Passion de Simone werden fünfzehn Stationen im Leben der großen französischen Philosophin Simone Weil gezeichnet, die sich 1943 das Leben genommen hat. Es singt der Arnold Schoenberg Chor, und es spielt das Klangforum Wien unter der musikalischen Leitung von Susanna Mälkki.

Beide Werke sind Kooperationen und werden von Sellars inszeniert. Sie sollen nach den Wiener Uraufführungen in verschiedenen Städten gastieren. Zudem: Die malinesische Musikerin und Sängerin Rokia Traoré wird über La Clemenza di Tito arbeiten. Die aus der westafrikanischen Griottradition kommende Künstlerin thematisiert mit Geschichten, Musik und Fotografien Möglichkeiten der Öffnung von Machtstrukturen. Die 300-jährige Tradition des kambodschanischen höfischen Tanzes wurde von den Killern Pol Pots innerhalb von zwei Wochen vernichtet; die Tänzer wurden umgebracht, alle Materialien zerstört.

Die Rekonstruktion

Zwei Frauen und ein Mann überlebten das Massaker und begannen, die Tradition zu rekonstruieren. Die kambodschanische Tänzerin Sophiline Cheam Shapiro wird aus dieser Geschichte heraus mit Darstellern und Musikern der Cambodian Royal University for Fine Arts eine Reflexion auf die Zauberflöte versuchen. Der auf Samoa geborene, in Auckland lebende Choreograf Lemi Ponifasio und seine Company MAU arbeiten zwischen Tradition und radikaler Avantgarde.

Sie werden mit Bezug auf die Cook-Sammlung im Wiener Völkerkundemuseum ein Stück mit dem vorläufigen Titel Requiem erarbeiten. Das detaillierte Programm von Sellars' Kuratierung (inklusive der geplanten Filmreihe) wird im November dieses Jahres bekannt gegeben. (ploe)

Share if you care.