Vor Bisphenol A wird gewarnt

8. Juli 2005, 20:25
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Die viel produzierte Substanz wird immer kritischer bewertet

Washington - Das in verschiedenen Kunststoffen vorkommende Bisphenol A (BPA) wird in der Wissenschaft immer kritischer bewertet. So berichtete der US-Endokrinologe Frederick vom Saal in den Proceedings of the National Academy of Sciences, dass er bei männlichen Nachkommen von Mäusen, die niedrigste Dosen BPA erhielten, eine Vergrößerung der Prostata beobachten konnte, was zu Unfruchtbarkeit und Krebs führen könne. Da beim Menschen höhere Dosen zulässig seien, rät der Forscher besonders Schwangeren, vorsichtiger im Umgang mit dem Stoff zu sein.

BPA findet sich in Aufbewahrungs-Behältern und Pfandflaschen aus Hartplastik sowie in Getränke- und Konservendosen und in Milchpackungen als BPA-haltiger Innenlack und auch in Kunststofffüllungen vom Zahnarzt. Zuvor konnten andere Studien mit Tieren Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen bei niedrigen Dosen nachweisen.

Genetische Defekte bei Ratten

Die Genetikerin Patricia Hunt von der Case Western Reserve University beobachtete laut Current Biology an weiblichen Laborratten ungewöhnlich häufig genetische Defekte, da sich aus den Polycarbonat-Laborkäfigen durch Reinigungsmittel BPA freigesetzt hatte. "Ob die an der Ratte beobachteten Effekte auf den menschlichen Organismus übertragbar sind, ist nicht sicher. Aber die Teilung der Eizellen verläuft bei Ratten und Menschen sehr ähnlich. Laut einer deutschen Studie sind schwangere Frauen ähnlichen BPA-Konzentrationen ausgesetzt, die bei uns entsprechende Effekte zeigten."

Forscher am Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin konnten bereits belegen, dass die von der Mutter aufgenommenen BPA durch die Plazenta in den Blutkreislauf des Ungeborenen übergehen. Der Risikobericht des EU-Chemikalienbüros sieht aber nach Auswertung der Studien für den Menschen keine Bedenken. Das Gesetz deckelt BPA nur nach oben, Effekte geringerer Dosen hingegen befinden sich noch im Prozess der Risikobewertung. (grote, DER STANDARD, Print, 1.7.2005)

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